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Geringe Schäden retten Talanx-Ergebnis

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Sturm "Matthew" kostete rund 100 Mio. Euro, die BASF-Explosion einen zweistelligen Millionenbetrag. Talanx hat in den ersten neun Monaten 2016 zwar weniger Prämien als erwartet eingenommen, beim Gewinn jedoch aufgrund der geringeren Schadenbelastung die Prognosen deutlich übertroffen. Der angepeilte Gesamtgewinn von 750 Mio. Euro "mag auf den ersten Blick nicht ambitioniert klingen", räumt Konzernchef Herbert Haas ein.
Jetzt ist er zuversichtlich, nicht nur "ungefähr", sondern "mindestens" dieses Ziel zu erreichen. Eine noch höhere Ergebnisprognose traute sich Haas aber auch auf mehrfache Nachfrage in der Telefonkonferenz nicht zu. Analysten sollten auch bedenken, dass die Zinserträge im laufenden Jahr wegen des Niedrigzinsumfelds um 50 Mio. Euro niedriger ausfallen dürften. Die Saison für Hurrikans sei auch noch nicht vorbei. Talanx wolle nicht zu früh zu optimistisch werden.
Erklärtes Ziel des drittgrößten deutschen Versicherers ist es allerdings, einen Anteil von 35 bis 45 Prozent vom Konzernergebnis als Dividende auszuschütten. Das könnte den Aktionären durchaus eine höhere Dividende bringen. Sollten keine Großschäden mehr auftreten, werde dies auch den Gewinn entsprechend erhöhen, und Talanx könne bei der Ausschüttung dann in den oberen Bereich der Ausschüttungsspanne gehen, sagte Haas.
Bis Ende September wurde mit 635 (Vorjahr: 488) Mio. Euro nahezu ein Drittel mehr Gewinn eingefahren. Das operative Ergebnis verbesserte sich um 9,4 Prozent auf 1,65 Mrd. Euro, wobei allerdings das Vorjahresergebnis mit der Vollabschreibung des Goodwills im deutschen Lebensgeschäft mit 155 Mio. Euro belastet war. Das Kapitalanlageergebnis verringerte sich leicht um 0,3 Prozent auf 2,98 Mrd. Euro.
Das versicherungstechnische Ergebnis stieg dagegen um 9,3 Prozent auf –1,67 Mrd. Euro. Die Bruttoprämien schrumpften um 2,5 Prozent auf 23,75 Mrd. Euro, blieben aber währungskursbereinigt nahezu stabil. Talanx kam laut Haas mit der Internationalisierung in der Industrieversicherung sowie dem Wachstum des internationalen Privat- und Firmengeschäfts gut voran. Auch der Umbau im deutschen Privat- und Firmenkundengeschäft trage erste Früchte.
Zugute kam der Talanx vor allem die positive Schadenentwicklung. Die Belastung durch Großschäden belief sich auf 533 (724) Mio. Euro. Damit beläuft sich der Großschadenpuffer für dieses Jahr noch auf 590 Mio. Euro erklärte Haas. Der Sturm "Matthew" im Oktober kostet die Talanx rund 100 Mio. Euro, die BASF-Explosion einen zweistelligen Millionenbetrag, während das Erdbeben in Neuseeland "wohl nicht sehr viel" kosten dürfte. Die Schaden-/Kostenquote lag in den ersten neun Monaten bei 96,6 (96,9) Prozent.
Im deutschen Privat- und Firmengeschäft sind die Prämieneinnahmen erwartungsgemäß erneut geschrumpft, und zwar auf 4,8 (5,1) Mrd. Euro. Der Rückgang ist vor allem eine Folge des zurückgeführten Einmalbeitragsgeschäfts in der Lebensversicherung. Das operative Ergebnis der Sparte verbesserte sich jedoch auf 70 (minus 16) Mio. Euro. Entsprechend konnte sie nach einem Verlust im Vorjahr einen kleinen Beitrag zum Konzerngewinn beisteuern. Wachstum verzeichnete die Talanx allein im Privat- und Firmengeschäft International. Hier erhöhten sich die Bruttoprämien trotz negativer Wechselkurseffekte um 5,9 Prozent auf 3,7 Mrd. Euro. Der Beitrag zum Konzerngewinn sank allerdings auf 97 (106) Mio. Euro. Belastend wirkten die neu eingeführte Vermögenssteuer in Polen sowie das rückläufige Zinsniveau.
2017 will Talanx das Ergebnis auf dem Vorjahresniveau halten. Die Prognose für kommendes Jahr lautet trotz des deutlich zurückgehenden Zinsniveaus auf einen Nettogewinn von ebenfalls mindestens 750 Mio. Euro. Das klinge nicht ambitioniert, sagte Haas. Es müsse aber berücksichtigt werden, dass sich die niedrigen Zinsen in das Kapitalanlageergebnis fressen. Die Talanx-Tochter Hannover Rück hatte in der vergangenen Woche mit ihren Neunmonatszahlen die Markterwartungen übertroffen und peilt für 2016 wieder einen Milliardengewinn an. (cs)
Bild: Talanx-Chef Herbert Haas (Quelle: Talanx)
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