Schlaglicht

Bedarfsanalyse radikal vereinfachen

Von Christoph BaltzerTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das Startup Fingoal hat ein Tool entwickelt, das die Bestandsaufnahme in der Finanzberatung erleichtert. Das Programm macht sich dafür die inzwischen standardisierten Kontodaten zunutze. Kunden und Berater ersparen sich dadurch den Gang nach Hause und den Griff zum Aktenordner, zumindest teilweise. Die größte Digitalisierungslücke bleibt die Deutsche Rentenversicherung mit ihrer alljährlichen Rentenmitteilung.
"Eine ganzheitliche Beratung dauert oft drei Stunden", sagt Kai Fürderer. "Drei Stunden für eine Riester-Rente, das ist Unsinn." Mit einem Programm macht der gelernte Banker die Bestandsaufnahme beim Kunden sehr viel einfacher. Die Idee: Die Informationen über die finanzielle Situation befinden sich im Kontoauszug (siehe POLITICS).
Im Zuge der Zahlungskontenrichtlinie der EU, die seit dem Frühjahr in Kraft ist, haben die Banken den Zahlungsverkehr elektronisch standardisiert. Der Kontowechsel ist dadurch viel einfacher geworden. An die 200 Banken arbeiten dabei mit dem Kassler Fintech Fino, das Anfang vergangenen Jahres von dem ehemaligen Accenture-Berater und Commerzbank-Mitarbeiter Florian Christ gegründet wurde. Viele Banken wickeln den Kontowechsel in einer White-Label-Lösung über Fino ab, die Gesellschaft unterhält aber auch eine eigene Marke namens Kontowechsel. Konkurrent ist das Berliner Startup Finreach, das zum Fintech-Inkubator Finleap gehört. Finleap ist auch Ankerinvestor bei Clark.
Fürderer nutzt für sein Beratungstool den Rechenkern von Fino. Aus den monatlichen Umsätzen für Wohnkosten, Mobilität, Lebenshaltung, Sparen, Versicherungen und Kreditzinsen gewinnen Berater einen schnellen Überblick, ohne den Kunden nach Hause schicken zu müssen. Die Versicherungsbeiträge werden vielfach schon so im Kontoauszug aufgeschlüsselt, dass man weiß, in welchem Tarif die Kunden versichert sind, berichtet Fürderer.
Das Tool hat er zunächst für Banken konzipiert, doch es eignet sich auch für Finanzvertriebe. Ob, wie und wann Fingo zur Selbstberatung im Internet zur Verfügung steht, ist noch offen. Gegenüber einer kompletten Maschinalisierung der Beratung ist der Fingoal-Chef zurückhaltend. "Ich will nicht, dass ein Kunde seine BU über das i-Phone abschließt, noch nicht." Ab Mitte Dezember wird er das Tool Banken vorstellen, eine Sparkasse wird es wohl Mitte Januar bereits live schalten. "Die Nachfrage ist riesig“, sagt Fürderer. (ba)
Bildquelle: Fotolia
__________

Weitere Themen im Blick von VWheute:

Die Erdbeben in Italien haben sich kaum auf die Bilanz des italienischen Versicherers Generali ausgewirkt. Wie der Konzern am Donnerstag mitteilte, ging der Gewinn trotzdem aufgrund einer schwächeren ersten Jahreshälfte um knapp sechs Prozent auf 1,6 Mrd. Euro (Vorjahr: 1,7 Mrd.) zurück. Die Zurich verbuchte hingegen in den ersten neun Monaten einen Betriebsgewinn von 3,4 Mrd. US-Dollar, ein Plus von 36 Prozent. Auch der spanische Versicherer Mapfre befindet sich derzeit auf Wachstumskurs.
Der Finanzdienstleister MLP hat in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres gut verdient. Nach Unternehmensangaben stiegen die Umsatzerlöse um 13 Prozent auf 404,5 Mio. Euro (Vorjahr: 357,2 Mio. Euro). Die Provisionserlöse stiegen zudem um 14 Prozent auf 388,9 Mio. Euro (Vorjahr: 341,1 Mio.). Der Finanzvermittler OVB verzeichnete bei den Gesamtvertriebsprovisionen ein Plus von 3,2 Prozent auf 171,1 Mio. Euro (Vorjahr: 165,7 Mio.).
Die HDI Versicherung AG startet passend zum Auftakt der närrischen Saison eine Kurzzeit-Unfallversicherung: Der "Tolle-Tage-Schutz" kann online mit wenigen Klicks beantragt werden. Er gilt ab dann 24 Stunden lang für Unfälle, die bei Karnevals- und Faschingsveranstaltungen passieren – einschließlich der direkten Hin- und Rückwege. Alkoholbedingte Einschränkungen gibt es hingegen lediglich für Autofahrer.
Auch interessant
Zurück
17.12.2018VWheute
Bäte: "Wenn man digital sein will, dann muss man die Altlasten wegräumen und verein­fa­chen" Seit mehr als drei Jahren schon führt Oliver Bäte als …
Bäte: "Wenn man digital sein will, dann muss man die Altlasten wegräumen und verein­fa­chen"
Seit mehr als drei Jahren schon führt Oliver Bäte als Steuermann auf der Brücke der Allianz. In dieser Zeit setzt der Vorstandschef auf einen digitalen Umbau des Münchener …
01.08.2018VWheute
"Wir können Abläufe verein­fa­chen oder gar strei­chen, ohne das Geschäft zu beein­träch­tigen" Joachim Wenning war es von Anfang wichtig, den Fokus …
"Wir können Abläufe verein­fa­chen oder gar strei­chen, ohne das Geschäft zu beein­träch­tigen"
Joachim Wenning war es von Anfang wichtig, den Fokus auf das Geschäft zu erhöhen und den Gewinnrückgang der Vorjahre zu stoppen. Nach Meinung des Munich-Re-Vorstandsvorsitzenden sei …
23.05.2018VWheute
AVB: Wenn der Kunde nur Bahnhof versteht Von Silke Kursawe. Versicherungsbedingungen werden von den Kunden nicht gelesen, weil sie schwer verständlich…
AVB: Wenn der Kunde nur Bahnhof versteht
Von Silke Kursawe. Versicherungsbedingungen werden von den Kunden nicht gelesen, weil sie schwer verständlich sind, und von den Versicherern nicht verständlicher gemacht, weil sie ohnehin nicht gelesen werden. Ein Ausweg aus diesem Dilemma…
12.09.2017VWheute
Block­chain wird die Branche radikal verän­dern "Crazy stuff from techie guys?" Nein das ist Blockchain ganz und gar nicht, glaubt Alan Cabello von …
Block­chain wird die Branche radikal verän­dern
"Crazy stuff from techie guys?" Nein das ist Blockchain ganz und gar nicht, glaubt Alan Cabello von der AGCS. Aber: Nur ein Prozent der Bevölkerug kann mit diesem Begriff etwas anfangen, und das sind nicht nur Experten aus der …
Weiter