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Captives: Die Totengräber stehen bereit

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Auf dem European Captive Forum wurde deutlich, wie widersprüchlich der Markt betrachtet wird. Die Aufkäufer von Run-Off-Beständen sehen wachsendes Potenzial. Dabei trägt sich derzeit kaum ein Kunde mit dem Gedanken, sich von seinem Risk Management Tool zu trennen. Noch nicht.
Der Betrieb von Captives ist dank Solvency-II und BEPS (internationale Steuerregeln in Sachen Transfer Pricing) um einiges komplexer und teurer geworden. Gleich drei mögliche Erwerber saßen in der gestrigen Veranstaltung auf dem Podium: Paul Corver vom Abwickler Randell+Quilter, Arndt Gossmann von der Darag sowie der einstige Mitbegründer der Partner Re, Joe Taussig, der nach Ablegung der US-Staatsbürgerschaft in Zürich residiert. Alle drei Referenten stimmten überein, dass mancher Captive Manager seinen Kunden den Run-off kaum empfehlen dürfte.
Gossmann sagte: "Steuern als einziger Grund für die Fortführung einer Captive reichen nicht aus, da muss man sich überlegen, wie der Exit gestaltet werden soll. In Luxemburg konnten wir noch keine Transaktion implementieren. Das steuerliche Risiko erschien zu hoch oder es war noch zuviel Risiko vorhanden. Die Zahl der Angebote ist in letzter Zeit stark gestiegen. Luxemburg scheint in Sachen Captive Run-off nun gleichzuziehen. Unsere Zielgröße ist ein Kaufpreis zwischen fünf und zehn Mio. Euro. Der Due-Diligence-Prozess wird derzeit standardisiert, was in Kosteneinsparungen resultieren sollte. Eine Due Diligence könnte Fixkosten um die 100.000 Euro verursachen, woraus sich eine Mindestgröße je Transaktion ergibt."
Taussig ist derzeit mit dem Erwerb von hunderten, wenn nicht tausender überflüssig und riskant gewordener Mini-Captives in den USA beschäftigt, die von den US-Steuerbehörden bekämpft werden. Er findet daher kaum noch Zeit für europäische Akquisitionen. Er ist jedoch dabei, bis Ende 2017 einen speziellen, für Akquisitionen bereitstehenden Fonds aufzulegen. Aus eigenen Mittel stellt er derzeit bis zu zehn Mio. Pfund bereit.
Die Lösungen für einzelne Captives können sein:
  • Scheme of Arrangement wo möglich, z.B. in den Bermudas, mit der Folge der Kristallisierung der noch nicht liquiden Verbindlichkeiten
  • Commutation der Restverbindlichkeiten bzw. Transfer auf einen anderen Risikoträger. Darag kann Teil-Portefeuilles in die eigene maltesische PCC Gesellschaft bewegen und dadurch für eine Aufteilung zwischen Legacy-Geschäft und noch in der bisherigen Captive weiterlaufendem Geschäft sorgen
  • Fusion
  • Allmähliche Liquidation
Corver kommentierte im Hinblick auf die spezifische Situation Luxemburger Captives: "Die Schwankungsrückstellungen machen den Erwerb luxemburgischer Captives komplex. Wir konkurrieren mit anderen Erwerbern, deren Ziel es ist diese ohne Auslösen der deferred tax anderweitig zu leeren."
Die Erwerber von Captives stoßen typischerweise auf über die Jahre angehäufte Verpflichtungen, den Frontern Sicherheiten zu stellen, das "Stacking of collateral". Nur ungern geben die Fronter die Sicherheiten auf, egal wie überhöht sie erscheinen mögen. Gelegentlich können diese durch eine Run-off-Rückversicherung mit einem adäquat gerateten Partner abgelöst werden, etwa mit einem Adverse Development Cover, der aber einen Cut-Through zugunsten des Fronters gestatten müsste.
Wie run-off-affin die Branche derzeit wird, führte Gossmann aus: "Wir verhandeln derzeit mit einem großen Versicherer, der plant prinzipiell jede technische Verbindlichkeit nach drei bis fünf Abwicklungsjahren durch Portefeuilletransfer zu externalisieren." (cpt)
Bildquelle: cpt
Captives
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