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Befürchtetes Captive-Sterben bleibt aus - vorerst

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Eigenkapitalregeln unter Solvency II treffen meist auch Captives. Es scheint, dass zumindest den größeren Captives die Anpassung an die neuen verschärften Regeln gelungen ist und es nicht zu der befürchteten Welle von Captive-Liquidationen kommt. Aber schon kommen die nächsten Herausforderungen in Gestalt von BEPS (Gewinnverschiebungen im Konzern), lokaler Substanz und korrekter Abführung nationaler Prämiensteuern.
Gemäß einer Erhebung durch den Captive-Eigentümerverband liegt die schwächst kapitalisierte Captive bei einem SCR von 120, der Mittelwert des SCR beträgt 275 Prozent und die üppigst kapitalisierte Captive bringt es gar auf 800 Prozent. Der Eigenkapitalbedarf wird dabei gemäß Standardformel ermittelt. Planten vor einem Jahr noch 40 Prozent der Captives ein eigenes, Kapital sparendes Modell, so haben mittlerweile fast alle diesen unrealistischen Gedanken fallen gelassen. Immer noch gewähren 40 Prozent der Captives im Rahmen des Konzern Cash-Pooling-Kredite an die eigene Muttergesellschaft in Form von so genannten "loan backs", was sich negativ auf die Bemessung des erforderlichen Risikokapitals auswirkt.
Zehn Prozent der Captives verwenden zusätzlich zum Eigenkapital noch hybrides zusätzliches Contingent Capital und weisen teilweise für Solva-Zwecke anzuerkennendes nicht eingezahltes Kapital auf. Customised Risk Transfer als Alternative zu rigideren Formen von Eigenkapitalersatz wie Contingent Capital, Convertible Fonds und stille Beteiligungen bieten insbesondere Munich Re, Swiss Re und XL Catlin an. Sie preisen diese maßgeschneiderten Rückversicherungskonstrukte als Form des Eigenkapitalersatzes, aber mit Auswirkung auf die GuV, während sonstige Kapitalformen zwar das verlorene Risikokapital ersetzen, der Gesellschaft aber den Verlustausweis nicht ersparen.
Verschärften Rahmenbedingungen sehen sich Captives auch in steuerlicher Hinsicht ausgesetzt: Nationale Steuerbehörden achten zunehmend darauf, dass unter internationalen Programmen die jedes Risikoterritorium betreffende anteilige Prämie penibel errechnet und die sich ergebende Versicherungssteuer abgeführt wird. Insoweit geht es darum, Unterfakturierungen zu verhindern.
Umgekehrt aber fürchten die für die Erhebung von Körperschaftssteuern zuständigen nationalen Behörden, es könnten Gewinne durch die Fakturierung überhöhter, also einem Drittvergleich nicht standhaltender Versicherungsprämien abgeschöpft und an die in einem steuerlich begünstigten Territorium angesiedelte Captive abgeführt werden. Unter dem Schlagwort BEPS Base Erosion and Profit Shifting laufen derzeit die Versuche der OECD, eine korrekte Zuordnung von Konzernerträgen zu einzelnen Territorien zu erzwingen.
Mittlerweile hat die Implementierung in nationale Gesetze begonnen, darunter auch in Deutschland. Hinzu kommt eine Neuverhandlung der bilateralen Doppelbesteuerungsabkommen. Der kommende Bilanzausweis der je Territorium erzielten Umsätze und dort gezahlten Steuern wird auch Gewinnverschiebungen zu im Zweifel eher niedrig versteuerten Captives offenbar werden lassen. "Tax Rulings", wie einst in Luxemburg üblich, werden künftig den betroffenen ausländischen Steuerverwaltungen mitgeteilt.
Zunehmend könnte es auch zur Anwendung von CFC Controlled Foreign Entity kommen, d.h. der Zurechnung des Ergebnisses aus Niedrigsteuerländern zum steuerpflichtigen Gewinn der Muttergesellschaft. Innerhalb der EU sollte jedoch die ausreichende Substanz vor der Anwendung nationaler CFC Regeln schützen. Generell reicht es nicht mehr, dass rein juristisch eine Captive an einem bestimmten Ort angesiedelt zu sein scheint, vielmehr muss sie über eigene lokale Ressourcen verfügen, d.h. über Substanz. Hierzu gehört auch, dass Kernkompetenzen nicht outgesourced werden, das Vorhandensein von lokalen, zum Teil unabhängigen Verwaltungsräten sowie das häufige Abhalten von ins Detail gehenden Verwaltungsratssitzungen vorort. Keinesfalls sollten Entscheidungen am Sitz der Muttergesellschaft getroffen werden.
Als Spezialdienstleister hinsichtlich der korrekten Abführung von Prämiensteuern hat sich FiscalReps etabliert. Dort ist man nun dabei, sich auch noch den Aspekt Transfer Pricing unter Ertragssteuern zu erschließen. Insgesamt scheint es, als seien die neuen Herausforderungen von großen, diversifizierten und professionell geführten Captives weiter zu meistern. Gerüchteweise war jedoch zu hören, dass recht viele kleinere Captives nun zum Verkauf oder zur Liquidation anstehen. Bei der Gelegenheit wird sich weisen, wie komplex ein Divestment werden mag. (cpt)
Bild: Luxemburg Captive Conference (Quelle: cpt)
Captives
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