Schlaglicht

USA stehen vor einer Zeit der politischen Lähmung

Von Christoph BaltzerTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Von Christoph Baltzer. Business as Usual, das wäre wohl das Beste, was den Versicherern nach den Wahlen in den USA widerfahren könnte. Die Chancen dafür sind erstaunlich gut. Wegen der starken parlamentarischen Opposition würde Hillary Clinton als sehr schwache Siegerin aus dem Rennen herauskommen. Donald Trump würde seine mangelnde politische Erfahrung im Wege stehen.
Nach den heutigen Wahlen werden die USA eine Zeit der politischen Lähmung erleben, so oder so. Für Versicherer muss das nicht schlecht sein. Barack Obama hatte nach seinem ersten Wahlsieg auf dem Höhepunkt der Finanzkrise strengere Vorschriften für Nicht-US-Versicherer und vor allem Rückversicherer anvisiert und ist dabei ohne Erfolg geblieben. Auch der zweite Anlauf nach 2012 verlief im Sande. Das Scheitern der Neal Bill war symptomatisch für die Amtszeit des scheidenden Präsidenten. Seine Lorbeeren hat er auf Vorschuss bekommen. Erfolg hatte Obama da, wo er es am wenigsten erwartet hatte: In der Wirtschaft (siehe DOSSIER).
Von dem Wahlergebnis heute wird die Zukunft von Obamacare abhängen, das einzige Projekt der Obama-Regierung, das eine bleibende Wirkung entfalten könnte. Die Krankenversicherungs-Reform steht auf der Kippe, sollte sie nicht durch weitere administrative Maßnahmen nach vorne gebracht werden. Weil eine Versicherungspflicht politisch nicht durchsetzbar war, krankt Obamacare an dem daraus resultierenden moralischen Risiko. Die Krankenversicherer fürchten sich vor der Antiselektion, in den meisten Gegenden der USA gibt es deshalb nur einen oder zwei Anbieter.
Den USA ging es in der Regierungszeit Obamas wirtschaftlich viel besser, als man das wahrgenommen hat. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs von 2008 bis 2015 um 26 Prozent und auch der Immobilienindex Case Shiller kommt wieder in die Nähe der Höhen, die er vor dem Platzen der Subprime-Krise erreicht hatte. Die EU wuchs im gleichen Zeitraum nur um 12 Prozent, die Euro-Zone sogar nur um acht Prozent. Die Versicherer der USA profitierten von dem Wirtschaftswachstum in ihrem Heimatland und verbuchten im Jahr 2015 18 Prozent mehr Prämien als 2008.
Die zu erwartende politische Lähmung der USA unter einem erratischen Medienstar Trump als Präsidenten oder unter einer faktisch machtlosen Clinton wird die Macht der öffentlichen Verwaltung stärken. Wie gut das funktioniert, zeigt das EU-US-Insurance Project. "Wichtig ist, den politischen Einfluss so stark wie möglich zu reduzieren", merkte der Versicherungswissenschaftler Martin Eling auf der Eiopa-Konferenz Mitte Oktober an. Goldene Worte. Während sich die Politiker in protektionistischem Populismus überbieten, arbeiten die Versicherungsleute an gemeinsamen Standards, unspektakulär aber effektiv (siehe UNTERNEHMEN).
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Weitere Themen im Blick von VWheute:

Der Münchener Rückversicherer wird morgen seine Geschäftszahlen für das dritte Quartal präsentieren. Mit Spannung erwarten die Aktionäre die Ergebnisse: Wie stark beeinträchtigt Hurrikan Matthew das Ergebnis? Wird das Jahresziel von 2,3 Mrd. bis 2,8 Mrd. Euro erreicht werden? Im zweiten Quartal erreichte der Rückversicherer einen erfreulichen Konzerngewinn, obwohl dieser gegenüber dem Vorjahr um neun Prozent fiel.
Den Teilnehmern der Klimakonferenz in Marrakesch ist nach dem Inkrafttreten des Pariser Klimaabkommens nach Feiern zumute. Ein Rekord, der auch getrieben wurde von der Angst, dass nach dem Ende von Barack Obamas Amtszeit keine großen Fortschritte mehr zu erwarten sind. Nach Ansicht des Swiss Re-Experten Andreas Spiegel sind dennoch enorme Anstrengungen notwendig, um die Dekarbonisierung der Wirtschaft bis 2050 sicherzustellen.
Die Absicherung gegen Cyber-Risiken bei Versicherungskunden ist unzureichend. Das zeigt die Studie MaklerAbsatzbarometer des internationalen Marktforschungs- und Beratungsinstituts YouGov, in der 220 unabhängige Finanz- und Versicherungsmakler befragt wurden. Das Potenzial für Makler scheint demnach enorm zu sein.
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