Köpfe & Positionen

EZB treibt Anleger ins Risiko

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Geldflut der Europäischen Zentralbank (EZB) sorgt weiter für heftige Kritik beim Branchenverband. Die "EZB treibt Anleger ins Risiko", konstatiert GDV-Chefvolkswirt Klaus Wiener in einem Gastbeitrag für die Börsenzeitung. So wäre es "wichtig, wenn die EZB die negativen Folgen ihrer Geldpolitik für die Liquiditätssituation auf den Anleihemärkten stärker berücksichtigt".
Demnach seien Nebenwirkungen "ein weiteres Argument, um die Anleihekäufe spätestens im März 2017 auslaufen zu lassen. Das bedingt zugleich, dass die Notenbanker von ihrer Entscheidung abrücken, die Mittel fälliger Anleihen zu reinvestieren", betont der Ökonom. "Andernfalls würde die EZB-Bilanz selbst bei Beendigung des Kaufprogramms aufgebläht bleiben", warnt Wiener.
Zudem treibe die Geldpolitik der EZB die "Investoren ins Risiko. Um überhaupt noch positive Renditen erzielen zu können, weichen Anleger zunehmend in höher verzinste, aber zugleich illiquidere Anleihemärkte aus. Dies kann sich dann sehr schnell als gefährliche Strategie erweisen, wenn die Märkte von überhöhten Niveaus aus korrigieren", warnt Wiener in seinem Beitrag.
Ebenfalls kritisch beleuchtet Wiener die Entwicklung auf dem Anleihemarkt, die in Teilen austrockneten. "Gerade für Versicherer ist die Entwicklung fatal. Ihr Anlagebestand von 1,5 Billionen Euro besteht zu rund 80 Prozent aus Rentenpapieren. Sie sind darauf angewiesen, diese jederzeit schnell, kostengünstig und preisschonend handeln zu können. Schließlich müssen sie regelmäßig Leistungen an Versicherte auszahlen", konstatiert Wiener.
Auch für die Versicherten sieht der GDV-Chefvolkswirt entsprechende Folgen durch die aktuelle Entwicklung. Denn umgekehrt legen die Versicherer "ständig Geld neu an - täglich rund eine Mrd. Euro. Hohe Volatilität und Liquiditätsschwankungen erschweren die Wiederanlage, sie führen zudem zu größeren Schwankungen in der Bilanz. Auch die Versicherungskunden sind betroffen: Niedrigere Renditen aufgrund höherer Transaktionskosten gehen letztlich zu ihren Lasten", betont Wiener. (vwh/td)
Bild: Klaus Wiener, Chefvolkswirt des GDV (Quelle: GDV)
GDV · EZB · Klaus Wiener
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