Märkte & Vertrieb

Miesmacher Nullzinsen und Regulierung

Von Alexander KasparTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Sie ist die größte Veranstaltung ihre Art in Deutschland, Leitmesse und Treffpunkt der Versicherungs- und Finanzwirtschaft, die Deckungskonzeptmesse DKM, in den Dortmunder Westfalenhallen. Im zwanzigsten Jahr ihres Bestehen ist der Branche zwar nur bedingt zum Feiern zumute. Nullzinsen, Regulierung und Digitalisierung schlagen allen Beteiligten auf die Stimmung, doch wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch.
Mit 15 Ausstellern und keinen zweihundert Besuchern einst in Bayreuth gestartet ist die DKM heute die wichtigste Finanzmesse im deutschsprachigen Raum, gespickt mit Prominenz (siehe KÖPFE) und Kompetenz werden hier neue Allianzen besprochen, Themen interdisziplinär erörtert und Kunden gewonnen. Allen Unkenrufen zum Trotz, die Messe wächst qualitativ.
Das hat auch mit den sogenannten Fintechs zu tun, die dieses Jahr ihren eigenen Themenpark plus Kongress in Halle 3B, umgeben von Arag, Ergo und Barmenia, erhalten haben. Noch werden die "neuen jungen Wilden", 24 Unternehmen an der Zahl, mit Skepsis und Argusaugen beobachtet, doch alle Beteiligten erkennen den von diesen ausgelösten Innovationsschub.
Michael H. Heinz vom Bundesverband der Versicherungskaufleute (BVK) verwies zum Auftakt der Messe in diesem Zusammenhang auf den digitalen Versicherungsmakler Knip. Im Verband führten Fintechs zwar zu einer Freund/Feind-Diskussion, so Heinz, denn sehr schnell seien "Grenzen überschritten, wenn es zum Frontalangriff komme", und "deshalb beobachten wir das derzeit sehr genau".
Knip habe man aber dennoch aufgenommen, weil man offen für alle im Register eingetragenen Vermittler sei und vor allem deshalb, weil sich der Newcomer den Regeln des Verbandes unterworfen habe, wie z.B. auch der Fortbildungsoffensive "gut beraten". Für die eigenen Mitglieder will der BVK Orientierungshilfen entwickeln um "Freund und Feind auseinanderzuhalten", aber Knip ist jetzt "ein Kollege". Mit einem Seitenhieb auf Check24 mit dem sich der BVK letztinstanzlich über die offenen Grundsatzfragen streiten will sagte Heinz: "Die Guten kommen zum BVK, die Schlechten landen vor Gericht."
Parallel dazu hat der BVK, wie Heinz auch auf der Pressekonferenz mitteilte, ein Expertennetzwerk eingerichtet um den Mitgliedern den Sprung in die volldigitalisierte Welt zu erleichtern. Immerhin steht ein Großteil der 46.000 registrierten Vermittler an der Altersgrenze und viele ältere Ausstiegswillige finden keinen Nachfolger und sind so zum Weitermachen gezwungen.
Den "Stressfaktor Internet" hat BVK-Vize Andreas Vollmer erkannt, als Stressquelle allerdings für die Kunden. Online erlebten diese den Informations-Overkill und genau hier sei ein guter Zugang für Beratung möglich, damit wird der Berater zukünftig weniger Verkäufer und mehr als Lotse gefordert. Vor diesem Hintergrund wird auch die Politik kritisiert, die ideologiegetrieben das Geschäft unter Kuratel stellen oder es gar ganz abschaffen wolle, so der BVK weiter. Dabei sei angesichts des Demografischen Wandels eher mehr Aufklärung notwendig. Dei Digitalisierung wird durchaus positiv gesehen, wenn Standardabläufe vollelektronisch organisiert werden, dann bleibt mehr Zeit für den Kunden.
Mit großer Spannnung wird in der Branche der neue Referentenentwurf zum Thema Betriebliche Altersabsicherung/Betriebsrenten erwartet. Dieser soll heute en detail bekannt gegeben werden. BVK-Chef Heinz weiss schon mehr, wie er im Interview mit VWheuteTV offenbart:
Wird es die Versicherungswirtschaft auf Dauer so noch geben, fragte zum Auftakt der Messe, Organisationschef und Initiator Dieter Körner die versammelten Journalisten? Nach dem ersten Tag muss man konstatieren, die Branche ist so vital wie selten, es herrscht Aufbruchstimmung und Zukunftszuversicht. Das läßt sich auch an ganz versicherungsfremden Parametern feststellen: 297 Aussteller (284 in 2015) erwarten wie in den Jahren zuvor rund 17.000 Besucher und diese werden 20,7 Tonnen Fleisch, 1,8 Tonnen Fisch, 2,1 Tonnen Gemüse, 900 Kilogramm Pasta und mindestens 6.000 Snacks konsumieren.
Dazwischen suchen die Teilnehmer auf 19 Kongressen und 45 Workshops Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft, aber das geht eigentlich besser, wenn man hungrig ist (siehe DOSSIER). (vwh/ak)
Bild: Volles Haus und großer Besucherandrang bei der DKM in Dortmund. (Quelle: Alexander Kaspar)
DKM
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