Köpfe & Positionen

Fixpunkt Mensch!?

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Von Helmut Posch. Mit Interesse habe ich den Beitrag "Zukunftsdenken als Wertmaßstab" in der Juniausgabe der Versicherungswirtschaft gelesen. Die Herleitung von Goethes Faust nach dem Bedarf an Messgrößen und Skalen um "Werte" bemessen zu können ist sprechend. Der Bogen zu Fitch, Moody`s und S & P als bestimmende "Werte-Agenturen" führt uns vor Augen, dass im Status Quo des wirtschaftlichen Miteinanders die "Vertrauenswürdigkeit" dort vorherrschen darf und soll, wo die monetäre Profitwahrscheinlichkeit über dem erwarteten Durchschnitt, besser im obersten Drittel liegt.
Diesen Hintergrund vor Augen wird klar, dass eine in vielen Bereichen geführte gesellschaftliche Debatte über Werte ein großes Konfliktpotenzial beinhalten und eine gefährliche Richtung nehmen kann. Sind die grundlegenden und leitenden Werte des Versicherungsgedankens aus Sicht des Versicherten und aus Sicht der Versicherer noch in Übereinstimmung? Was ist das Wertesystem, an dem sich der Gestalter eines Versicherungsproduktes orientiert und was ist die kundenseitige Erwartungshaltung an eine Versicherung?
Aufgrund der maßgeblichen "Steuerung" durch die bekannten "wertorientierten Modelle" des Risikomanagements wird die Versicherungstechnik sich in immer weiter verfeinerten Zielgruppen mit Pricingmodellen genau jene Kunden herausfiltern, bei denen entsprechend eingeforderte Profite eine hohe Ergebniswahrscheinlichkeit haben. Die Produkte werden – jedes für sich – zuvorderst vom quantitativen Ergebnis für das Unternehmen aus betrachtet. Das wirklich vertrauensbildende Prinzip der Solidarität der Kollektive mit dem besonderen Wert einer kooperativen Absicherung von Risiken, als leitender Versicherungsgedanke zur Gestaltung fairer Policen aus Versichertensicht, kann dabei verloren gehen. Die Menschen spüren intuitiv, dass das mittlerweile vordergründig in Verwendung stehende Wording in Bezug auf "Werte" in der gesellschaftlichen Debatte nicht mehr stimmig ist.
Die Menschen verbinden in der europäischen Kulturtradition mit dem Begriff "Werte" weit wichtigeres als die monetäre Bewertung von Profit. Viele Menschen verknüpfen in ihrem Denken und Handel mit dem Begriff der "Werte" Empfindungen, die Sicherheit, Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Nachhaltigkeit vermitteln. Dahinter stehen Wertedimensionen, die vor 60 Jahren von Robert S. Hartman wissenschaftlich aufgearbeitet wurden. Dessen in nahezu wunderbarer Weise den Menschen in den Fokus stellende Erkenntnisse durfte ich auf meinem Erfahrungsweg als absolut bedeutend und wertvoll erleben. Oft durfte ich mich mit dem Gründer des europäischen Arms des R. S. Hartman-Instituts – Ulrich Vogel – dazu austauschen.
Nach Hartman leben wir in einer Welt, in der die Hierarchie der Werte zum Teil auf den Kopf gestellt wurde. Der Mensch wird in der Wirtschaft zu sehr als eine "Ressource" gesehen, der Profit steht im Vordergrund. Hartman sieht und beweist drei Wertedimensionen: Der Mensch ist das Wertvollste, Regeln und Prinzipien sind wichtig für das Zusammenspiel und konstruktives Wirken, Gewinne sind das Ergebnis eines guten Wirtschaftens mit Produkten und Dienstleistungen, die dem Menschen dienen – und nicht umgekehrt. Das bedeutet, gute Profite resultieren aus der Beachtung von Werten bei der Führung eines Unternehmens und der Gestaltung von Produkten.
Auf diese Wertehierarchie muss sich die Versicherungsbranche wieder verstärkt ausrichten, um bereits verloren gegangenes Terrain in punkto Image und Vertrauen zurück zu gewinnen. So wird, last but not least, das wirklich vertrauensfördernde Grundprinzip der kollektiven Solidarität wieder gestärkt werden – und damit im wahren Sinn des Wortes WERTE geschaffen.
Bild: Helmut Posch war langjähriger Vorstand und CEO in der Versicherungsbranche in Österreich und Deutschland und ist heute selbstständig mit PoschConsulting tätig. Zudem ist er Präsident des Verwaltungsrates der PrismaLife AG, Liechtenstein (Quelle: Continentale).
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