Schlaglicht

Diese Woche: Zukunftsweisender Branchenkompass

Von Tobias DanielTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Branchentreffen erfreuen sich bekanntlich auch in Zeiten digitaler Kommunikation ungeteilter Aufmerksamkeit. So schwingt der Branchenkompass in dieser Woche vor allem zwischen Dortmund und Baden-Baden. Während 17.000 Besucher aus Nah und Fern ab Dienstag auf der DKM in Dortmund erwartet werden, stehen in Baden-Baden die Neuverhandlungen der Rückversicherungsverträge auf der Tagesordnung.
Neue Geschäftsbeziehungen zu knüpfen und bestehende Verbindungen zu vertiefen, steht seit jeher im Mittelpunkt der Versicherungsleitmesse in den Dortmunder Westfalenhallen. Zu erwarten ist, dass vor allem Linken-Politiker Gregor Gysi für viel Gesprächsstoff unter der anwesenden Branchenprominenz sorgen wird.
"Bei der Geldanlage bin ich als demokratischer Sozialist strikt konservativ", verriet er bereits vorab dem Beratermagazin Value. Die Versicherungsbranche sieht Gysi hingegen in einer tiefen Vertrauenskrise: Denn viele Bürger fragen sich, "ob sich eine Versicherung mit niedrigen Renditen überhaupt noch lohnt".
Dabei ist das Interesse der Deutschen am Thema Geldanlage nach wie vor hoch, wie jüngst eine Studie der Quirin Bank belegt. Ein überraschendes Ergebnis: Rund 51 Prozent der Bundesbürger sind demnach der Ansicht, dass ohne Unterstützung durch Computer die Auswahl guter Geldanlagen nicht mehr gelingt.
Entsprechend kritischer werden hingegen die Anlageberater gesehen. 42 Prozent meinen, "dass man an gute Geldanlagen nur kommt, wenn man ein großes Vermögen verwalten lässt. Mit kleinen Beträgen ist das nicht möglich." Eine deutliche Mehrheit von 58 Prozent glaubt laut Studie gar, "dass Anlagen nur aus Provisionsinteresse empfohlen werden". 46 Prozent glauben zudem, dass man für eine Anlageberatung zu viel zahlen müsse.
Dabei scheint eine gute Anlageberatung angesichts niedriger Zinsen gefragter denn je. So summierten sich die Vermögen privater Haushalte laut Bundesbank auf einen neuen Rekordwert von 5,401 Billionen Euro. Ein Großteil der Vermögen floss demnach weiterhin in Bargeld und Bankguthaben (25 Mrd. Euro) sowie in Versicherungen und Pensionseinrichtungen (18 Mrd. Euro). Selbst die öffentlichen Finanzvermögen stiegen laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2015 um 3,1 Prozent auf 16,6 Mrd. Euro.
Angesichts niedriger Zinsen verliert das Sparbuch - einst des Deutschen liebstes Kind - auch weiter an Bedeutung. So mehren sich heute die Stimmen nach dem Sinn des Weltspartages, der am kommenden Samstag erneut begangen wird. Ob der Weltfeiertag der Sparkassen allerdings auch weiterhin zeitgemäß erscheint, wird Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon wohl am kommenden Dienstag bei der Vorstellung des Vermögensbarometers 2016 des Deutscher Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) beantworten. Drohende Strafzinsen sind der Attraktivität des Sparens jedenfalls äußerst abträglich (siehe SCHLAGZEILEN).
Mit Problemen ganz anderer Art sind hingegen die Rückversicherer dieser Tage in Baden-Baden konfrontiert. So macht der Preisverfall auf dem Rückversicherungsmarkt nicht nur den kleinen und mittleren Akteuren zu schaffen. Es gibt "einen klaren Trend, den Einkauf von Rückversicherung weiter zu bündeln und dadurch mit weniger Partnern als vorher zusammenzuarbeiten", konstatiert Jean-Jacques Henchoz von der Swiss Re gegenüber VWheute (siehe DOSSIER).
Daran werden wohl auch die extremen Schadenereignisse in diesem Jahr nichts ändern. "Die Naturkatastrophen in diesem Jahr waren in Deutschland nicht so gravierend, als dass sie Einfluss auf den Markt hätten. Zahlreiche Versicherungsgesellschaften schauen sich ihre Rückversicherungsmöglichkeiten intensiv an, um beispielsweise speziell mit Frequenzschäden besser umzugehen", konstatiert Jan-Oliver Thofern, Vorstandsvorsitzender von Aon Benfield, exklusiv gegenüber VWheute.
Zudem habe jeder Akteur angesichts eines angemessenen Preises seine eigene Sicht: "Aber wenn man sich einmal die Historie der Naturkatastrophen in Europa anschaut, fällt auf, dass dieser Sektor in den letzten 15 Jahren relativ profitabel war", ergänzt der Aon-Chef.
Über gute Geschäfte freuen kann sich übrigens in Baden-Baden bereits das neueröffnete Designer-Hotel Roomers. "Über die Teilnehmer des Rückversicherungs-Kongresses sind wir ausgebucht. Wir sind sozusagen 100-prozentig am Start", frohlockte General Manager Holger Flory. (td)
Bildquelle: plumbe / pixelio.de
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Weitere Themen im Blick von VWheute:

Die Musik für Versicherer spielt diese Woche wohl eher in Dortmund und Baden Baden zumal der Deutsche Bundestag eine sitzungsfreie Woche hat. Gleichwohl bleibt das Thema Rentenreform auf der politischen Agenda in Berlin: Am Mittwoch könnte das Bundeskabinett den Referentenentwurf zur Stärkung der betrieblichen Altersversorgung (bAV) zur Verbändeanhörung freigeben.
Es waren zuletzt ruhige Tage auf dem Frankfurter Börsenparkett, trat das Aktienbarometer mit einem leichten Gewinnplus von 0,1 Prozent doch praktisch auf der Stelle. Ein durchaus recht bequemes Polster für die neue Woche, in der vor allem zahlreiche Unternehmens- und Konjunkturdaten den Ausschlag geben werden. Die Anleger hoffen indes auf einen Befreiungsschlag.
Durch die Digitalisierung wird es auch in der Versicherungsbranche "negative Beschäftigungseffekte geben", glaubt Jutta Rump vom Institut für Beschäftigung und Employability IBE in Ludwigshafen. Hatte die Automatisierung früher "meist nur Auswirkungen auf weniger qualifizierte Arbeitnehmer, trifft es heute besonders die Bereiche, die von einer großen Routine geprägt sind", betont die Expertin im Exklusiv-Interview mit VWheute.
DKM. Rückversicherer
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