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"Wandel wird nie wieder so langsam sein wie heute"

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Die Digitalisierung steht auch bei den privaten Krankenversicherern derzeit ganz oben auf der Tagesordnung. "Schon jetzt ist klar, dass der Wandel nie wieder so langsam sein wird wie heute", betont Harald Benzing, Vorstand der Versicherungskammer Bayern (VKB) im Exklusivinterview mit VWheute. Auch eine Kooperation mit Fintechs und Insurtechs ist für den Versicherer denkbar.
VWheute: Herr Benzing, wie sehr hat der digitale Wandel die Krankenversicherer erfasst?
Harald Benzing: Die Herausforderungen aus der Digitalisierung erreichen natürlich auch uns. Und schon jetzt ist klar, dass der Wandel nie wieder so langsam sein wird wie heute. Dem stellen wir uns, indem wir in kundenorientierte Lösungen investieren und unseren Kunden digitale Möglichkeiten bieten, die sie von uns erwarten und aus anderen Lebensbereichen, wie z.B. der Reisebranche, kennen. Dazu gehören rund um die Uhr zur Verfügung stehende Zugangswege über alle mobilen Endgeräte, um auch online Versicherungsprodukte abzuschließen – wenngleich auch die persönliche Beratung von vielen nach wie vor geschätzt wird.
VWheute: Welche praktischen Lösungen stellen Sie Ihren Versicherten schon heute zur Verfügung?
Harald Benzing: In unserem Kundenportal sind Leistungsabrechnungen digital abrufbar. Kunden können ihre Verträge online verwalten und Änderungen von Name, Adresse oder Bankverbindung leicht selbst vornehmen. Mit unserer "RundumGesund-App" können unsere Kunden Belege wie Rechnungen, Rezepte usw. schnell und unkompliziert per Foto einreichen. Außerdem stellen wir ein digitales Gesundheitsmagazin zur Verfügung mit praktischen Tipps für viele begeisterte Nutzer.
Kunden, die an Tinnitus leiden, bieten wir die "Tinnitracks-App" an. Die Betroffenen können ihre Lieblingsmusik hören, aus der die App zuvor die Tinnitus-Frequenz rausgefiltert hat, um den Hörnerv zu entlasten und die Lebensqualität zu steigern. Wir ersetzen ihnen die Kosten für die App und für die Eingangsuntersuchung beim HNO-Arzt.
VWheute: Und welche Vorteile bringt die Digitalisierung noch?
Harald Benzing: Im Konzern VKB arbeiten wir beispielsweise mit "Watson" bei der Analyse unstrukturierter Daten. Dieses kognitive System wertet Aussagen in schriftlichen Kundenanliegen aus, interpretiert sie und ermöglicht es unseren Mitarbeitern, die Anliegen unserer Kunden besser zu verstehen und schneller darauf zu reagieren. Watson erkennt in Texten sogar Unmut und Ironie. Watson erleichtert es uns damit, die riesige heterogene Datenmenge zu bearbeiten. Künftig wollen wir das System auch für die Analyse und richtige Zuordnung von Angebotswünschen sowie die medizinische Dokumentation nutzen. Mit Watson steuern wir in eine neue digitale Ära.
VWheute: Wie stark profitieren Sie von Fintechs und Insurtechs?
Harald Benzing: Aktuell gibt es eine Vielzahl dieser jungen Unternehmen. Wir sondieren, welche Angebote für unsere Kunden und unser Unternehmen sinnvoll sind. Sprich, wir setzen uns intensiv damit auseinander und prüfen, ob hier Kooperationen zum Nutzen unserer Kunden möglich sind.
VWheute: Wie stellen Sie sich die Welt der privaten Krankenversicherung in fünf Jahren vor?
Harald Benzing: Als umfassende Gesundheitsdienstleister, die weit mehr bieten als Kostenerstattung und Kooperationen mit Leistungserbringern. Eines unserer Ziele ist es, unseren Versicherten ein Netzwerk aus Gesundheitsleistungen anzubieten, die digital abrufbar sind, eine hohe Versorgungsqualität bieten und einen einfachen Zugang für die Kunden sicherstellen. Dazu braucht es die digitale Vernetzung aller für den Kunden wichtiger Partner im Gesundheitswesen.
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz.
Bild: Harald Benzing. (Quelle: VKB)
PKV · Digitalisierung · VKB · PV
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