Schlaglicht

Kollege Roboter auf dem Vormarsch

Von Alexander KasparTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Jede Revolution frisst irgendwann ihre Kinder, auch die Digitale Revolution 4.0. Begriffe wie "Disruption", "Transformation" oder "Digitalisierung" sind nur die Vorboten dessen, was in nächster Zeit auch und vor allem auf die Versicherungswirtschaft zukommt. Beinahe täglich lässt sich ein Vorstandsmitglied der Branche eine neue Zahl der überflüssigen und daher abzubauenden Arbeitsplätze entlocken.
Sind es 20 Prozent der externen Vermittler oder bis zu 50 Prozent, die mittelfristig ohne Kunden, Produkte und Aufträge dastehen werden oder sind vlt. all diese Zahlen zu hoch, weil sich lediglich der Zuschnitt und der Charakter des Arbeitsplatzes verändern wird? Fragen die auch Vorstände nur vage beantworten können und zwar nicht nur, weil sie Rücksicht auf das Betriebsklima ihres Unternehmens nehmen müssen, sondern auch, weil die gesamte Wirtschaft und mit ihr die Gesellschaft noch ganz am Anfang dieser Entwicklung stehen. Das weiß auch Thomas Rodewis von der Versicherungskammer Bayern (VKB) wenn er pointiert: "Der digitale Wandel wird niemals wieder so langsam sein wie heute!" Oder andersherum ausgedrückt: Nutzt die Chancen jetzt, denn später wird für einen evolutionären Übergang das Tempo zu hoch sein, wie bei einem Zug der immer schneller wird und man sich nicht mehr traut abzuspringen.
"Hochspekulativ" nennt z.B. der Vorstandschef der Nürnberger Versicherungsgruppe, Armin Zitzmann, Aussagen über den zukünftigen Mitarbeiterbestand. Aber für die Arbeitsbereiche Antrags- oder Vertragsbearbeitung rechnet der Manager mit einer Quote von 30 bis 40 Prozent, die ersetzt werden müssten. Was die Zahl der externen Vermittler in Deutschland anbelangt sind sich Ökonomen einig, dass von derzeit 240.000 in einer Welt der Bits und Bytes 100.000 Vermittler zu viel am Markt operieren. Auf Nachfrage im "Maschinenraum" der Versicherungswirtschaft bei Maklern und unabhängigen Vermittler wird deutlich: Das papierlose Büro ist weiter verbreitern als in den Diskussionsforen behauptet wird.
"Aber was Maschinen besser können als Menschen sollen Maschinen machen und was Menschen besser können als Maschinen sollen eben Manschen machen", sagt Roland Zangerl, Versicherungsvermittler und Finanzcoach aus München und meint damit menschliche Eigenschaften wie Emotionen, Humor und Gefühle. Um sich für die Herausforderungen der Zukunft zu wappnen hat Zangerl sich den härtesten Markt in Europa zum Vorbild genommen: England. Dort bekommt wegen des Provisionsverbotes ein Großteil der Kunden, zumal für Standartprodukte, überhaupt gar keine Beratung mehr, lediglich 20 Prozent zahlen noch für diese Dienste.
Eine ähnliche Entwicklung erwartet der Berater auch für Deutschland, wenngleich nicht das Vollverbot. "Wer abhängig ist vom Retail-Geschäft wird es aber zukünftig sehr schwer haben", ist sich Zangerl sicher. Innerhalb der Branche hat der Tiroler eine große Spreizung was die Auseinandersetzung mit den Themen der Zukunft anbelangt beobachtet. Es gebe viel "Old School", die in den nächsten Jahren vor dem Generationenwechsel stünden und wie der bewältigt werden soll, steht in den Sternen.
"Schichtwechsel - Die Roboter übernehmen", so lautete vor kurzem eine lange Dokumentation des Kultursenders Arte. Computer und Algorithmen rütteln an den Grundfesten der bisherigen Arbeitsgesellschaft, so der Tenor der Sendung. Auch wenn heute niemand genau vorhersagen kann, wie viele klassische Arbeitsplätze am Ende des Tages wegfallen werden, sicher ist, es werden an anderer Stelle, von Fintechs initialisiert, neue Arbeitsbereiche entstehen. Nur die Aufgaben werden andere sein und darauf gilt es sich jetzt einzustellen. (vwh/ak)
Bild: Kollege Roboter übernimmt mehr und mehr Aufgaben. (Quelle: Alexander Kaspar)
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