Politik & Regulierung

"Es zeichnet sich Anpassungsbedarf ab“

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Solvency II – kein Projekt wird in der Branche so heiß diskutiert. VWheute hat beim Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) nachgefragt, wie genau sich die Richtlinie auswirken wird und ob sie zu harsch oder zu flaumig ausgefallen ist. Für den GDV hat Dr. Axel Wehling, Mitglied der Geschäftsführung des GDV, Rede und Antwort gestanden.
VWheute: Ist Solvency II zu scharf oder zu locker eingestellt?
Wehling: Für eine Gesamtbilanz ist es noch zu früh. Wir plädieren dafür, Solvency II erst einmal wirken zu lassen und weitere Erfahrungen zu sammeln. An einigen Punkten zeichnet sich aber bereits Anpassungsbedarf ab. Insbesondere ist eine bessere Verzahnung der Solvency-II-Eigenmittelanforderungen mit der Zinszusatzreserve erforderlich.
VWheute: Theoretisch verschafft Solvency II den Unternehmen mehr Freiheiten. Praktisch hat es aber den Anschein, als ob es ein zu enges Korsett ist. Wo liegt die Wahrheit?
Wehling: Leider sind die Freiheiten, die Solvency II geschaffen hat, durch zahlreiche ergänzende Regelungen auf Level 2 und 3 stark beschnitten worden. Beispielsweise müssen Unternehmen bei der Kapitalanlage keine starren Obergrenzen mehr einhalten, andererseits aber sehr detaillierte, auf über 6.700 Seiten festgehaltene Vorschriften sehr genau befolgen. Daraus resultiert ein erheblicher bürokratischer Aufwand für alle Unternehmen, der insbesondere die kleineren Versicherer zu überfordern droht.
VWheute: Die Bafin merkt an, wie schwankungsanfällig Solvency II ist. Verzerrt das Modell die Risiken?
Wehling: Weil Bewertungen unter Solvency II auf aktuellen Marktwerten beruhen, sind volatile Ergebnisse in einem volatilen Marktumfeld unvermeidlich. Wichtig ist, die Ergebnisse richtig einzuordnen. Bei Veränderungen von einem Quartal zum nächsten muss man auch die Ursachen dieser Veränderungen in den Blick nehmen, entscheidend ist der langfristige Horizont. Vor allem dann, wenn wir über Lebensversicherer mit ihren sehr langfristig angelegten Geschäftsmodellen sprechen.
Die Fragen stellte Christoph Baltzer, Redakteur bei VWheute.
Bild: Axel Wehling. (Quelle: GDV)
GDV · Solvency II · Recht. Versicherer
Auch interessant
Zurück
26.02.2019VWheute
QBE zeichnet mehr Prämi­en­ein­nahmen Der Anbieter für Unternehmensversicherungen QBE European Operations hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2018 ein …
QBE zeichnet mehr Prämi­en­ein­nahmen
Der Anbieter für Unternehmensversicherungen QBE European Operations hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2018 ein deutliches Prämienplus verzeichnet. So legte der Versicherer bei den gezeichneten Bruttoprämien im vier Prozent auf 3,69 Md. Euro z…
21.02.2019VWheute
Zurich-Senior-Under­writer Andres: "Das rich­tige Bauch­ge­fühl ist nach wie vor sehr wichtig" Welche Auswirkungen hat der technologische Fortschritt …
Zurich-Senior-Under­writer Andres: "Das rich­tige Bauch­ge­fühl ist nach wie vor sehr wichtig"
Welche Auswirkungen hat der technologische Fortschritt auf das Underwriting der Versicherer? Und welche Rolle werden die Insurtechs in diesem Segment in Zukunft einnehmen? VWheute hat …
29.11.2018VWheute
Heinz: "Vertrauen zeichnet Versi­che­rungs­kauf­leute aus" "Das ist ja genau der Richtige", hört man die Unkenrufe, wenn gerade der oberste …
Heinz: "Vertrauen zeichnet Versi­che­rungs­kauf­leute aus"
"Das ist ja genau der Richtige", hört man die Unkenrufe, wenn gerade der oberste Versicherungskaufmann, Michael H. Heinz, im +3-Magazin der Süddeutschen Zeitung neben weiteren namhaften Autoren über Vertrauen schreibt. …
24.05.2018VWheute
Betriebs­haft­pflicht-Tarife: Vema zeichnet Conti­nen­tale, Hiscox und Axa aus Gesucht wird nicht weniger als die beste Betriebshaftpflicht. Der …
Betriebs­haft­pflicht-Tarife: Vema zeichnet Conti­nen­tale, Hiscox und Axa aus
Gesucht wird nicht weniger als die beste Betriebshaftpflicht. Der Maklerverband Vema hat dazu unter seinen 2.856 angeschlossenen Maklerfirmen eine Umfrage zum Thema durchgeführt. Beantwortet wurden …
Weiter