Schlaglicht

Mietpreisbremse fast ohne Wirkung

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Es war ein hehres Vorhaben der Bundesregierung: Die Mietpreisbremse sollte den Anstieg der Mieten vor allem in den Großstädten stoppen. Seit Juni 2015 ist das Gesetz in Kraft, doch von Beruhigung am Wohnungsmarkt kann keine Rede sein. Zumindest in den besten sieben Wohnungsmärkten stiegen aus Investorensicht innerhalb von sechs Monaten die Mieten in diesem Segment um sieben Prozent.
"Zwar ist der Wohnungsmarkt auch im laufenden Jahr im Fokus der Marktregulierung, doch bei nüchterner Analyse muss man zweierlei registrieren", sagt Thomas Beyerle, von Catella Research: "Staatliche Eingriffe in die Mietpreisentwicklung haben bisher weder die Mietpreise grundsätzlich gebremst, noch haben Investoren sich messbar aus diesem vermeintlich unattraktiven Marktsegment zurückgezogen". Ein Blick auf das Rendite-Risiko-Profil zeigt, dass der Wohnungsmarkt nach wie vor weitgehend gesund ist: Je höher das Risiko in einer Region, umso höher auch die Rendite. Die Risikofaktoren errechnet Catella aus sozioökonomischen Daten. Zentral ist dabei immer das Potenzial eines Marktes.
Derzeit stabilisieren sich die Preise für Immobilien in vielen Regionen Deutschlands, berichtet auch der Baufinanzierer Dr. Klein. Das gilt für die großen Städte Westdeutschlands, auch für München und dort zumindest für Häuser. Allerdings sei das noch kein Indiz für eine Preisumkehr: "Ich denke, man kann in diesem Zusammenhang noch lange nicht von einer Kehrtwende sprechen", sagt Ulrich Gold, Niederlassungsleiter von Dr. Klein in München. "Die Immobilienpreise werden weiterhin stabil bleiben oder sogar wieder steigen. Auch wenn sich die Häuserpreise in etwas niedrigerem Maße entwickeln als die Kaufpreise für Wohnungen", so Gold weiter.
Das beweist auch der Blick auf das Vorjahresquartal: Die Preise für Wohnungen steigen demnach um 10,52 Prozent, für Häuser um 5,75 Prozent. Innerhalb eines Quartals zogen die Preise um zwei Prozent an. Getrieben wird der Nachfrageüberhang bei Mietwohnungen in Metropolregionen durch die Urbanisierung und die gute wirtschaftliche Basis in Deutschland. Darum sind selbst Quadratmeterpreise von 4.800 Euro für Appartements in München und Umgebung immer noch wirtschaftlich tragbar. Wohnungen in der bayerischen Metropole sind damit um 1.300 Euro teurer als in Hamburg.
Leicht gesunken sind die Preise dagegen in Frankfurt a.M. Etwaige Auswirkungen des Brexits auf die dortigen Immobilienpreise lassen sich laut Dr. Klein derzeit noch nicht feststellen. In der ersten Jahreshälfte wurden Wohnungen in und um das deutsche Finanzzentrum und die Mainregion etwas günstiger. Die Indexwerte von 121,39 für Appartements und 117,48 für Häuser sind die niedrigsten in der südlichen Region. Der mittlere Wert beim Quadratmeterpreis liegt bei Häusern bei 2.219 Euro/qm. Bei Wohnungen liegt er etwas darüber: Für diesen Immobilientyp müssen Interessierte im Mittel 2.600 Euro/qm zahlen.
Ein kontinuierliches Wachstum der Kaufpreise ist in Stuttgart zu erkennen. Immobilien in der Metropolregion verteuern sich im bisher bekannten Maße weiter: Im Vergleich zum gleichen Quartal 2015 steigen die Preise für Wohnungen um 9,07 Prozent und für Häuser um 8,29 Prozent. Die gemittelten Quadratmeterpreise für Häuser und Wohnungen sind derzeit fast identisch: 2.525 Euro/qm und 2.519 Euro/qm. Bemerkenswert ist die Preisspanne, die sich hier ergibt. Mehr als 6.000 Euro liegen zwischen dem niedrigsten und günstigsten Preis pro Quadratmeter für Eigentumswohnungen (von 757 Euro/qm bis 7.122 Euro/qm und Häuser (688 Euro/qm bis 6.706 Euro/qm).
Die enorme Preisspanne auf dem Immobilienmarkt in Deutschland ist ein Zeichen dafür, dass nicht alles rational abläuft. Mehr dazu auch in der neuesten Ausgabe des Beratermagazins Value Nr. 5/16 vom 15.10. 2016. (vwh/wo)
Bild: Hochhäuser in Großstadt. (Quelle: Petra Dirscherl / pixelio.de)
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