Köpfe & Positionen

"Gesellschaftsstrukturen werden gestrafft"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Trend bei den Lebensversicherern geht zur AG. Die Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit erscheinen unter Solvency II nicht mehr zeitgemäß. Ein schnelllebiges Phänomen oder ein Blick in die Zukunft? VWheute hat bei der Ratingagentur Fitch nachgefragt. Stephan Kalb, Senior Director und Teamleiter der deutschen Versicherungsanalyse, hat einige interessante Antworten geliefert.
VWheute: Inter und Münchener Verein strukturieren sich um, um besser ihr Kapital managen zu können. Rechnen Sie mit weiteren ähnlichen Maßnahmen anderer Gegenseitigkeitsversicherer?
Stephan Kalb: Grundsätzlich sind alle Versicherer, ob Vereine oder Aktiengesellschaften, bestrebt, ihre Unternehmensstrukturen mit Blick auf die Solvency II-Erfordernisse als auch mit Blick auf die Profitabilität zu optimieren. Fitch erwartet, dass die Gesellschaftsstrukturen innerhalb von Versicherungsgruppen in den nächsten Jahren weiter vereinfacht bzw. gestrafft werden.
VWheute: Die Durationslücke, wie sie von Eiopa als Risikofaktor definiert wird, stellt für die deutschen Lebensversicherer ein Problem dar. Macht die Rechnung denn Sinn?
Stephan Kalb: Fitch schätzt, dass die deutschen Lebensversicherer gegenwärtig eine durchschnittliche Durationslücke von sechs Jahre haben. Das bedeutet,  dass die Kapitalanlagen im Durchschnitt sechs Jahre früher auslaufen als die Versicherungsverträge, die sie abdecken. Im anhaltenden Niedrigzinsumfeld bedeutet dies ein Wiederanlagerisiko., Möglicherweise können die frei werdenden Kapitalanlagen nicht mehr zu einem Zins wiederangelegt werden, der die Höhe der Passivzinsen (Garantien) erreicht.
VWheute: Lebensversicherer starten mit neuen Lebensversicherungsprodukten, um in der Solvenz besser da zu stehen. Sind denn Erfolge schon sichtbar?
Stephan Kalb: Beim Neugeschäft dürften bei vielen Versicherern die neuen, eigenmitteleffizienteren Produkte heute bereits die klassischen Lebensversicherungs­produkte deutlich zurückgedrängt haben. Da das Neugeschäft nur langsam über die Jahre den Bestand verändern kann, wirkt auch der positive Effekt auf die Kapitalerfordernis der jeweiligen Lebensversicherung erst über die Zeit.
Die Fragen stellt VWheute-Redakteur Christoph Baltzer.
Bild: Dr. Stephan Kalb, Senior Director Fitch Deutschland GmbH (Quelle: Fitch)
Solvency II · LV · VVaG · AG
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