Märkte & Vertrieb

ForumV: Arbeitswelt Versicherung - Wie arbeiten wir morgen?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Digitalisierung lässt keinen Stein mehr auf dem anderen, Veränderung ist angesagt. Das wurde auf dem 11. Nordbayerischen Versicherungstag in Nürnberg deutlich, wo mehr als 400 Experten Antworten auf elementare Fragen zukünftiger Arbeitsplatzgestaltung und Thesen wie "Technischer Vertrieb oder Vertrieb mit Technik?" erörterten. Eines war allen Teilnehmern klar: Die Zahl der Vermittler wird sich deutlich veringern, vielleicht sogar halbieren.
Denn nur wer sich anpasst, wer die neuen Techniken überhaupt beherrscht und sie dann clever einzusetzen vermag wird zu den "Überlebenden" zählen. Diese werden aber dafür ein größeres Stück vom dann kleineren Kuchen bekommen. Denn die Grenzen zwischen personellem Vertrieb und digitalisiertem Vertrieb werden sich vollständig auflösen, zeigte sich Prof. Fred Wagner von der Universität Leipzig überzeugt. 240.000 Vermittler sind in der digitalen Welt 100.000 zuviel, darüber waren sich fast alle Teilnehmer auf dem 11. Nordbayerischen Versicherungstag einig.
Michael H. Heinz hingegen, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute e.V. (BVK), befürchtet, dass rein technikgestützte Verhaltenstarife zu einer Erosion des Versicherungssolidarprinzips führen. Der digitale Datenaustausch zwischen den Gesellschaften und den Agenturen und den Maklern ist ein immer größeres Thema, befand Alexandra Kallmeier, Geschäftsführerin der Morgenroth Versicherungsmakler GmbH. Und Dr. Armin Zitzmann, Vorstandsvorsitzender der Nürnberger Versicherungsgruppe sagte, "Vertrieb ohne Digitalisierung wird es zukünftig nicht mehr geben."
Zwischen diesen Polen, die nicht antagonistisch positioniert waren, gingen die Argumente auf der Podiumsdiskussion zur Frage "Technischer Vertrieb oder Vertrieb mit Technik" hin und her. Statt ein "oder" sahen die Diskutanten vielmehr ein "und" angezeigt, abhängig von Art, Einsatz und Ziel der technischen Hilfsmittel. Doch wie umgehen mit dem digitalen Wandel, der schnell zur "disruptiven Welle" führen kann? So lautete die zentrale Frage, auf die die Branche tastend ihre Antworten sucht.
Wie dieser Wandel konkret aussehen kann, beschrieb der Wissenschaftler Wagner mit deutlichen Worten. Für Wagner muss immer, besonders heute, vom Kunden aus gedacht werden, denn die gäben schließlich das Tempo vor:
https://www.youtube.com/watch?v=QGRN13zW64s
Eine weitere Frage, die der Branche auch in Nürnberg auf den Nägeln brannte und weiter brennen wird, ist: Wie umgehen mit Google, kooperieren oder ignorieren? Für die Nürnberger Versicherungsgruppe gab hier Dr. Zitzmann eine Antwort: "Nein keine Kooperation mit Google, denn dann wird man gefressen!" Dafür wollen die Franken lieber nach passenderen Partnern in ihrer eigenen Umgebung suchen. (Siehe KÖPFE)
Eine ausgeprägte "Bewegungslosigkeit", einen echten "Stillstand in der Branche" beklagte zudem Verbandspräsident Heinz, Stichwort Datenschutz. Eifersüchtig bewachten die Marktteilnehmer und Gesellschaften, Autohersteller und Verbände ihre Datenschätze, so seine Beobachtung. GDV, Versicherungsunternehmen und Vermittler würden sich damit gegenseitig blockieren, während auf der "Grünen Wiese" von den sogenannten FinTechs eifrig Gelände hinzu gewonnen würde. Trotzdem ist sich der Vertriebsprofi sicher, dass auch in Zukunft weiter Bedarf an Beratung und Vermittlung bestehen bleibe, wie er im Interview mit VWheuteTV bekundet.
https://www.youtube.com/watch?v=TGWvNSgFQo8
Traditionell wurden im Rahmen des NBVT auch heuer wieder vier Preise für die besten Master- und Bachelorarbeiten von Studenten des Nordbayerischen Instituts für Versicherungswissenschaft- und Wirtschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg vergeben:
Franziska Unger für ihre Arbeit "Der Einfluss der Sharing Economy auf das Versicherungsmarketing".
Dinah Heidinger für ihre Arbeit "Reputationsrisiken- Bewustsein und Management in der unternehmerischen Praxis am B eispiel des Bankensektors".
Teresa Heyder für ihre Arbeit über "Betriebliche Sozialleistungen als B eitrag zum Employer Branding"
Susanne Schad für die Bearbeitung des Themas "Wünsche für das Alter und neue Produktkonzeptionern in der Lebensversicherung". (vwh/ak)
Bild: Podiumsdiskussion im Rahmen des 11. NBVT. (Quelle: Alexander Kaspar)
Forum V
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