Politik & Regulierung

Steigende Kosten bei weniger Personal

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Sowohl die deutsche Bevölkerung als auch die hier tätige Ärzteschaft beurteilt die Zukunftsaussichten des Gesundheitssystems zunehmend skeptisch. Zwar wird das gegenwärtige Niveau als hoch eingeschätzt, besonders von den Ärzten. Doch dass man in zehn Jahren noch eine Gesundheitsversorgung wie heute haben wird, daran glauben zunehmend weniger.
Das sind grundlegende Ergebnisse des 9. MLP-Gesundheitsreportes, der gestern in Berlin gemeinsam vom Meinungsforschungsinstitut IfD-Allensbach und dem Finanzdienstleister MPL vorgestellt wurde. "Die größten Zukunftssorgen der Bevölkerung betreffen steigende Kosten bei gleichzeitig eingeschränkter Gesundheitsversorgung", erklärt IfD-Geschäftsführerin Renate Köcher. Steigende Beiträge in der Krankenversicherung (81% der Befragten), höhere Eigenbeteiligungen der Patienten (72%), weniger Zeit der Ärzte für ihre Patienten (65%) und Behandlungen, die aus Kostengründen unterbleiben (52%), gehören zu den Befürchtungen, die in den letzten Jahren angewachsen sind.
Damit liegen die Patienten mit den Ärzten auf einer Wellenlänge. Für diese ist die sich verschlechternde Versorgung auf dem Lande zwar die Hauptangst (91%), doch auch sie befürchten, dass sie mehr noch als bisher daran gehindert werden, alle medizinisch notwendigen Leistungen zu verordnen (84 Prozent) und künftig weniger Zeit pro Patient haben werden (82%). Fast die Hälfte der befragten Ärzte musste auch in der Vergangenheit schon aus Kostengründen Abstriche an der Versorgung machen.
Abhilfe für das immer stärker zutage tretende Personalproblem in Praxen und Krankenhäusern könnte die Telemedizin wie etwa Videosprechstunden von zu Hause aus bieten. Doch während die Ärzte dieser Entwicklung im Prinzip positiv gegenüber stehen, wie MLP-Vorstandsvorsitzender Uwe Schroeder-Wildberg betonte, urteilt die Bevölkerung zurückhaltend. 70 Prozent lehnen es komplett ab, die Zustimmung steigt mit sinkendem Alter.
Für die Ärzte sind wesentliche Hinderungsgründe fehlende Praxis-Ausstattungen, fehlende Medizinerausbildung und die Sorge, dass das Arzt-Patienten-Verhältnis unter dem zunehmenden Einsatz von Telemedizin leiden könnte. Die Bereitschaft der Bevölkerung, gesundheitsbezogene Daten an ihre Versicherer zu übermitteln und damit Beiträge zu sparen, wächst dagegen.
"Zwar kommt es für eine Mehrheit von 54 Prozent noch nicht in Frage, bei den unter 30-Jährigen lehnt dies aber nur noch eine Minderheit von 30 Prozent ab", ergänzt Schroeder-Wildberg. Gegenwärtig gibt es noch keinen Tarif, bei dem laufend Gesundheitsdaten übermittelt und ausgewertet werden. Er sieht aber für die Zukunft eine positive Wirkung, da solche Tarife gesundheitsbewusstes Verhalten fördern und zugleich Kosten senken. (epo)
Bild: IfD-Geschäftsführerin Renate Köcher (links) und MLP-Vorstandsvorsitzender Uwe Schroeder-Wildberg (rechts) bei der Vorstellung des 9. MLP-Gesundheitsreports in Berlin (Quelle: epo)
Gesundheitswesen · MLP
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