Märkte & Vertrieb

Digitalisierung = Disruption

Von Alexander KasparTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Digitalisierung bedeutet Disruption, wer nicht mitmacht bleibt auf der Strecke. Das wurde auf der achten Inscom in München deutlich, die alle zwei Jahre vom IT-Beratungshaus MSG aus München, heuer unter dem Motto "digital excellence - empowering insurance", veranstaltet wird. Auf dem Kongress, der heute zu Ende geht, diskutieren Vertreter von mehr als 50 Versicherern aus 16 Ländern Wege und Lösungen in die voll-digitalisierte Versicherungswelt.
Mit mehr als 200 Teilnehmern und Experten aus der Versicherungswirtschaft war das Forum im Hilton Hotel München bis auf den letzten Platz gefüllt: Bits und Bytes, Null und Eins, der Veranstalter MSG hatte zu diesem Thema gerufen und alle waren sie gekommen. Zu wichtig ist denn auch der Gesamtkomplex und noch zu unübersichtlich sind die Wege in eine auskömmliche Zukunft.
Da lizensiert der südafrikanische New-Comer Discovery weltweit seine revolutionären Biometrie-Produkte, Stichwort Generali und Vitality, da rollt der komplett papierlose Krankenversicherer Oscar den Markt in den USA innerhalb kürzester Zeit auf. In China, ohnehin einer der kreativsten Plätze wenn es um digitale Innovationen geht, irritiert Zhong den Wettbewerb mit immer neuen Micropolicen, zum Beispiel gegen schlechtes Wetter. Und der nächste Schritt ist auch schon in Sicht, Internet of Things (IoT) lautet hier das Schlagwort. Da ist eine ausgefeilte Strategie notwendig, zumal in der Versicherungswirtschaft, die jahrelang eher für Kontinuität denn für Disruption stand und zum Teil noch heute steht.
MSG schätzt, dass es im Jahr 2017 mehr vernetzte Geräte geben wird als Menschen, und alle diese Geräte senden Daten, erzählen woher sie kommen und was in ihrer Umgebung passiert. Wer diese Daten analysieren kann, schaut auf den Grund und erkennt dort das Gold der Zukunft. Geschürft kann es aber nur werden – das Einverständnis des Kunden natürlich vorausgesetzt – mit den entsprechenden Tools, wie zum Beispiel dem Internet of Things Analyzer (IoTA).
Wie die gesamte Klaviatur der digitalen Medien auch den Kfz-Bereich vor größeren Abstürzen der Beitragssummen bewahren kann, wie sie beim Thema autonomes Fahren auf die Versicherer zukommen werden, erläuterte Markus Rehle, Mitglied des Vorstandes der HDI Versicherung AG: Nach einem Unfall meldet sich der Versicherer automatisch bei seinem Kunden, der nach einem kurzen Dialog zuerst Besuch von einer Kameradrohne bekommt, die den Schaden scannt, danach fährt schon bald ein Fahrzeug der Uber-Flotte vor und schließlich kommt der Abschleppwagen, um den Wagen von der Straße zu holen, während der Unfallverursacher noch immer versucht, telefonisch seinen Anbieter zu erreichen.
In diesem Zusammenhang hat die HDI den sogenannten "Ropo"-Kunden identifiziert: Ropo steht für "research online – purchase offline". Diese Kunden werden mehr und mit diesen Kunden muss die Branche umgehen lernen. Die nächste Eskalationsstufe markiert der "Rapa"-Kunde, was übersetzt heißt: "research anywhere – purchase anywhere".
Ob ein Veranstaltungsrhythmus von zwei Jahren auch in Zukunft reicht, ist allerdings fraglich. Die Digitalisierung schreitet in Riesenschritten voran, alle paar Monate treten neue Player in den Markt ein, "ploppen" neue Ideen und Modelle auf. Die Antworten darauf muss die Branche allerdings selber finden. Zum Stand der Digitalisierung in der Versicherungswirtschaft und mit welchen Problemen die Branche vor allem zu kämpfen hat, spricht Roland Roudny, im Vorstand der MSG verantwortlich für den Bereich SAP-Consulting, exklusiv im Video-Interview.
Siehe auch KÖPFE. (vwh/ak)
Bild: In München diskutieren mehr als 200 Experten über die Digitalisierung in der Versicherungswirtschaft. (Quelle: Alexander Kaspar)
Digitalisierung · Inscom 2016
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