Köpfe & Positionen

"BarCamp" lebt vom Austausch und vom Netzwerken

Von Tobias DanielTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Es ist keine Konferenz, sondern ein Camp. Es gibt kein festes Programm, doch im Fokus steht "der digitale Kunde", konstatiert Organisatorin Sabine Haas gegenüber VWheute: "Versicherungen müssen auf diesen Einstellungs- bzw. Akzeptanzwandel beim Kunden reagieren". Und dafür benötigen sie "grundlegend neue Vertriebs-, Kommunikations- und Beratungskonzepte", betont Haas.
VWheute: Das FDL-Camp, das Sie ja auch als "Unkonferenz" bezeichnen, soll sich von anderen Veranstaltungen dahingehend unterscheiden, dass es nur Teilnehmer gibt, die sich spontan zu einem gemeinsamen Programm am Veranstaltungstag selbst einigen. Wo liegt darin aus Ihrer Sicht die Besonderheit im Vergleich zu anderen Events?
Sabine Haas: Der größte Vorteil ist, dass alle Teilnehmer mit einer aktiveren Haltung in die Veranstaltung hineingehen. Selbst wenn sie keine Vorschläge für eigene Sessions machen, sind sie sich bewusst, dass sie die Inhalte der Veranstaltung mitsteuern können. Dies führt zu einer viel größeren Diskussionsfreudigkeit. Denn alle Themen, die angeboten werden, kommen aus den Reihen der Teilnehmer selbst. Man muss abstimmen, ob man an dem Thema Interesse hat. Auf diese Weise ist die Agenda automatisch deutlich näher an den Fragen, die die Teilnehmer klären möchten.
VWheute: Viele Veranstalter werben für ihre Konferenzen mit einem ausgefeilten Programm und prominenten Keynote-Speakern. Wie gewinnen Sie Ihre Teilnehmer zur Teilnahme?
Sabine Haas: Das Format "BarCamp" lebt vom Austausch und vom Netzwerken. Wer einmal dabei war, erkennt, dass sich ein Barcamp immer in erster Linie einen gemeinsamen Interessens- und Meinungsaustausch darstellt. Schon durch die Vorstellungsrunde zu Beginn lernt man sich persönlicher und näher kennen als das bei einer üblichen Konferenz der Fall ist. Alle Teilnehmer bewegen sich auf Augenhöhe, können sich mehrere Meinungen zu einer Fragestellung einholen und neue Impulse für ihre Arbeit mitnehmen. Dazu kommt, dass man auf einem Barcamp oft mit sehr ungewöhnlichen Perspektiven und Themen überrascht wird, da die Agenda spontan und ohne Planung entsteht. Diese Art der Unkonferenz lässt somit Raum für Unerwartetes und lässt die Teilnehmer auf eine ganz andere Art miteinander ins Gespräch kommen.
VWheute: Im Fokus des Camps steht unter anderem auch das Thema Social Media. Warum ist dieses Thema aus Ihrer Sicht gerade für Versicherer so wichtig und wo sehen Sie darin Potenzial für die Zukunft?
Sabine Haas: Das Leitthema des FDL-Camps ist "Der digitale Kunde". Dessen Erwartungen und Wünsche haben sich in den vergangenen Jahren gravierend geändert. Er ist extrem anspruchsvoll und möchte individuellen Service. Das Wichtigste aber ist: Er nimmt das Konzept "Versicherung" nicht mehr selbstverständlich hin und hat Vorbehalte gegenüber persönlicher Beratung trotz der Komplexität der Produkte.
Versicherungen müssen auf diesen Einstellungs- bzw. Akzeptanzwandel beim Kunden reagieren und benötigen dafür grundlegend neue Vertriebs-, Kommunikations- und Beratungskonzepte. Daher ist und bleibt dieses Thema für die Branche ungeheuer aktuell und wichtig – und gerade im Format einer offenen Diskussion bzw. offener Vorträge sehr konstruktiv zu bearbeiten. Dieser Eindruck hat sich durch das breite Feedback nach dem ersten Finanz- und Versicherungs-Barcamp 2015 bestätigt.
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.
Bild: Sabine Haas, Organisatorin des FDL Camp (Quelle: privat)
FDL-Camp
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