Schlaglicht

Neue Bedrohung durch regionale Extremwetter

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Regionale Extremwetterereignisse wie Starkregen, Überschwemmungen oder Hagel verursachen jedes Jahr in Deutschland Schäden in Millionenhöhe. Besonders im Juni dieses Jahres sorgten Gewitter, Starkregen, Hagel und Tornados sowie Sturzfluten in Europa Schäden nach Angaben des GDV von rund 1,2 Mrd. Euro. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) werden sich diese Naturereignisse in Zukunft noch verstärken.
Demnach wird nach Angaben des Brannchenverbandes GDV die Wahrscheinlichkeit von Unwetterkatastrophen wie im bayerischen Simbach steigen. So hat sich die Zahl der Regenfälle und anderer wetterberdingter Naturgefahren in Deutschland laut Munich Re seit den 1970er-Jahren verdreifacht. Eine Studie des GDV und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) prognostiziert zudem, dass die Sturmschäden bis 2100 um 50 Prozent zunehmen werden. Gleichzeitig werden sich die Überschwemmungsschäden laut Branchenverband im gleichen Zeitraum verdoppeln.
Ohne entsprechende Maßnahmen könnten sich in Deutschland die jährlichen Schadenskosten von derzeit etwa 500 Mio. Euro künftig jedenfalls noch vervielfachen. Aufbauend auf die Studie des GDV haben die Wissenschaftler des PIK nun im Rahmen einer Analyse illustriert, dass künftig mit einer Zunahme der Schäden durch Hochwasser gerechnet werden müsste. "Wir haben für die fünf größten Flüsse Deutschlands in 35 verschiedenen Projektionen untersucht, wie sich der Klimawandel bis zum Ende des Jahrhunderts auswirken könnte, und dabei insgesamt 5.473 Flussabschnitte von Rhein, Donau, Elbe, Weser und Ems berücksichtigt", sagt Fred Hattermann vom PIK.
Mojib Latif, Meteorologe und Klimaforscher am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, sieht in den Unwettern dieses Jahres seine These vom Klimawandel bestätigt. "Der Klimawandel findet statt, ohne jeden Zweifel. So ist die Temperatur der Erde im Zeitraum von 1950 bis 2015 im weltweiten Durchschnitt um ungefähr ein Grad Celsius gestiegen. Auch in Deutschland gibt es einen deutlichen Temperaturanstieg", schreibt der Experte in einer Kolumne für den GDV.
"Hinzu kommen weitere Faktoren, die Extremniederschläge begünstigen. So können sich bei kurzfristigen, sehr lokalen Schauern – den sogenannten konvektiven Niederschlagsereignissen – die Winde in den Wolkensystemen verstärken und die Extremniederschläge noch weiter intensivieren", ergänzt der Klimaforscher. "Die allermeisten regionalen Klimamodelle prognostizieren für Europa bei steigenden Treibhauskonzentrationen eine Zunahme und Intensivierung der Extremniederschläge", betont Latif.
Die Forderung nach einer Pflichtversicherung für Elementarschäden wird hingegen auch in den kommenden Wochen weiterhin für Zündstoff sorgen. "Der Staat muss also nicht oder nur in wenigen Extremfällen helfen. In Gebieten mit geringerer Versichertenquote muss der Staat häufiger helfen, und am Ende verbirgt sich dahinter eine Ungerechtigkeit. Und da das System der Pflichtversicherung in Baden-Württemberg viele Jahrzehnte hervorragend funktioniert hat – warum sollen die anderen nicht von uns lernen?", meint Baden-Würtembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Die Versicherer sehen diese Pflicht hingegen kritisch, gehe damit doch nach Aussage von GDV-Präsident Alexander Erdland "der Anreiz für Eigenvorsorge und Prävention verloren". (vwh/td)
Bildquelle: Alexandra H. / pixelio.de
GDV · Naturgefahren
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