Märkte & Vertrieb

Pflegezusatz leidet unter doppelter Verdrängung

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Verkauf von Pflegezusatzversicherungen bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurück. “Bisher hätten nur vier Prozent der Bevölkerung einen solchen privaten Schutz abgeschlossen”, sagte Christoph Helmich, Vorstandsvorsitzender des Continentale Versicherungsverbundes auf dem 16. PKV-Forum in Köln. Einen Grund sehe im negativen Image des Produktes.
Viele jüngere Menschen könnten sich laut Helmich zudem eine Pflegebedürftigkeit kaum vorstellen. “Die Leistung erfolgt erst, wenn man zum Pflegefall wird, meist im hohen Alter”, so Helmich weiter. Der Continentale-Chef vergleicht das Produkt mit der privaten Berufsunfähigkeitsabsicherung, auch dieses Produkt sei in der Leistungsphase nicht positiv besetzt, wäre als Risiko aber noch eher vorstellbar und hätte daher höhere Abschlussquoten.
“Die Vertriebsschwierigkeit bei der privaten Pflegeversicherung entsteht durch eine doppelte Verdrängung”, sagte Manfred Bauer, Vorstand der MLP AG, anlässlich einer Podiumsdiskussion. So würden zum einen die Kunden und zum anderen die Versicherungsvermittler selbst das Thema ungern ansprechen. “Wer diese Hemmung als Vermittler überwindet, wird feststellen, dass sich die Kunden durchaus öffnen”, berichtet Bauer aus der Vertriebspraxis.
MLP würde mit sieben bis acht Prozent immerhin eine doppelt so hohe Durchdringung erreichen als der übrige Markt. Trotzdem sei dies nicht befriedigend. Der Vertrieb dürfte in Zukunft noch schwieriger werden, so Bauer, denn ab 2017 werde durch die gesetzliche Pflegereform ein vollkommen neuer Pflegebegriff eingeführt.
Nach Einschätzung von Helmich gibt es über das neue Gesetz kaum Wissen bei den Kunden, dabei würden auch die neuen Leistungen weiterhin nicht ausreichen, um eine vollständige Absicherung zu erreichen.
Einig waren sich die Diskutanten bei der Podiumsdiskussion, das es weiterhin gelte, mehr Bewusstsein bei der Bevölkerung für das Pflegerisiko hervorzurufen. Gleichzeitig sollte den zu pflegenden Menschen und dem Pflegeberuf mehr Wertschätzung entgegengebracht werden. “Nach meiner Einschätzung steigt diese Wertschätzung bereits”, sagte Volker Leienbach, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Verbandes der Privaten Krankenversicherer (PKV). In einer eigenen Image-Kampagne habe der PKV-Verband auch Pfleger in den Mittelpunkt gerückt. (usk)
Bild: Christoph Helmich, Vorstandsvorsitzender des Continentale Versicherungsverbundes, auf dem 16. PKV-Forum (Quelle: usk)
PKV · Pflegezusatzversicherung
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