Schlaglicht

Insurtechs: "Versicherer werden sich uns angleichen"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Um in einem späteren Lebenszyklus das aktuelle Versichererdilemma zu vermeiden, "müssen wir unsere System heute bereits flexibel aufsetzen", betont Karl Dieterich, Geschäftsführer von Covomo: "Da werden die Versicherer sich uns angleichen". Zudem "haben wir natürlich den Vorteil, zum Beispiel keine technischen Altlasten zu haben und Produkte und Prozesse heute auf der grünen Wiese zu designen", erklärt der Unternehmer.
VWheute: Worin unterscheidet sich die Arbeitsweise eines Insurtechs wie Covomo von etablierten Playern wie großen Versicherern?
Karl Dieterich: Es ist wie ein Mosaik aus kleinen Erlebnissen, die sich vielleicht am besten so zusammenfassen lassen, dass wir im Start-up in der aktuellen Entwicklung in der Assekuranz ganz viele Chancen sehen und viele Kollegen auf Versichererseite nur damit verbundene Probleme in der eigenen Organisation. Zwar können wir in der Regel eine einzelne Person im persönlichen Gespräch immer begeistern, aber danach setzt die Bürokratiemaschine ein, die unsere Ansprechpartner manchmal selber verzweifeln lässt.
Wenn wir in einem kleinem Team definieren, dass dieser oder jener Prozess jetzt zwar nicht optimal und nur temporär ist, dann machen meine Kollegen die Erfahrung, dass temporär auch wirklich nur temporär ist und in wenigen Wochen Verbesserungen aus der täglichen Arbeit entstehen. Das motiviert – wenn mir ein Bewerber erzählt, dass er an einem IT-Projekt gearbeitet hat, das auf 48 Monate angelegt war, dann ist in der Tat ein Kulturschock, in einem Start-up zu arbeiten.
VWheute: Welche Vorteile können Sie durch Ihre eigene "versicherungsfremde" Herkunft in der Zusammenarbeit bzw. Produktentwicklung generieren?
Karl Dieterich: Das hat vor allem auf die Form, wie wir Vertrieb machen, einen Effekt: ich stelle viel mehr in Frage, wie Versicherungen derzeit vertrieben werden. Sowohl die Kanäle, die Form und das Kundenerlebnis. Beim Kochhaus – meiner vorherige Unternehmensgründung im Lebensmitteleinzelhandel – war das Einkaufserlebnis unser höchstes Gut. So bekommt auch das Thema Versicherungsschutz einen Weg, beim Kunden "Aha"-Momente zu erzeugen.
VWheute: Ihre Einschätzung: Wo geht die Reise hin? Werden Versicherer zu Insurtechs oder gleichen Start-ups mit zunehmender Größe sich automatisch an die Marktgepflogenheiten an?
Karl Dieterich: Sie müssen. Sie werden in der Wertschöpfungskette von vorne und hinten angegriffen und müssen schnellere Reaktionszeiten haben als heute. Wir haben natürlich den Vorteil, keine zum Beispiel technischen Altlasten zu haben und Produkte und Prozesse heute auf der grünen Wiese zu designen. Dadurch entsteht eine State-of-Art Lösung, die heute sehr gut ankommt.
Um in einem späteren Lebenszyklus des Unternehmens zu vermeiden, in das aktuelle Versichererdilemma zu geraten, müssen wir unser System heute bereits flexibel aufsetzen – da werden die Versicherer sich uns angleichen. Es gibt aber auch Versicherer, die wirklich gute Prozesse in anderen Bereichen haben. Da können wir sicherlich von ihnen lernen. Gleichzeitig finde ich Projekt wie Oscar oder Ottonova sehr spannend und bin gespannt, ob sie es schaffen, die Unternehmenskultur eines Start-ups in einem vollwertigen Versicherer zu verwirklichen.
Bild: Karl Dieterich ist Geschäftsführer von Covomo, einem Vergleichsportal, dass sich auf Nischenversicherungen spezialisiert hat. (Quelle: Covomo)
Covomo
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