Politik & Regulierung

Abschlusskosten: Schlagabtausch zwischen BdV und GDV

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Ein Urteil des Oberlandesgerichts Köln gegen die HDI Leben zur Berechnung der Abschlusskosten vom vergangenen Mittwoch sorgt derzeit vor einen medialen Schlagabtausch zwischen dem BdV-Präsident Axel Kleinlein und dem Branchenverband GDV. Im vorliegenden Fall entschieden die Richter, dass Versicherer in den ersten fünf Jahren nicht die Zillmer-Kosten und zusätzlich noch laufende Abschlusskosten berechnen dürfen.
Dies habe der HDI jedoch nach Auffassung des Kölner Gerichts HDI getan (Az.: 20 U 201/15). Bei den Verbraucherschützern stieß das Urteil erwartungsgemäß auf Zustimmung. "Seit vielen Jahren bittet die Versicherungsbranche Verbraucher gegen Recht und Gesetz doppelt zur Kasse. Damit ist nun Schluss", erklärte Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg.
Etwas deutlicher äußerte sich hingegen BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein: "Mit dieser Abschlusskosten-Abzocke erleichtern die Versicherungsunternehmen ihre Kunden branchenweit um Milliarden". Dabei geht der Versicherungsmathematiker davon aus, dass allein für das Jahr 2015 etwa drei Mrd. Euro auf intransparente Weise als zusätzliche Abschlusskosten den Kunden angelastet worden seien.
Der Branchenverband GDV widersprach hingegen Kleinleins Kritik: "Die vom GDV ausgewiesenen Abschlusskosten von rund 7,2 Mrd. Euro sind die Kosten, die in den Lebensversicherungen als betriebswirtschaftlicher Aufwand angefallen sind. Es sind, anders als vom BdV suggeriert, nicht die gegenüber den Kunden tarifierten Kosten". Zudem sei der Vergleich mit dem Höchstzillmersatz von 25 Promille bzw. 2,5 Prozent dementsprechend sachlich falsch, weil dieser die Einnahmeseite, nicht die Aufwandsseite betrifft. Wie die Lebensversicherer ihre tatsächlichen Kosten amortisieren, ist eine andere Frage", konstatieren die Versicherer.
Auch den Vorwurf der Instransparenz wies der GDV zurück. "Weder die einmalig einkalkulierten noch die laufenden Abschlusskosten sind intransparent. Vielmehr werden die Kunden über die eingerechneten Kosten entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen jeweils vor Vertragsabschluss in Euro und Cent informiert", betont der Branchenverband.
Kleinlein hält jedenfalls an seinem Vorwurf der Instransparenz fest. "Das muss der GDV ja sagen, ansonsten würde er sich seiner Existenzberechtigung berauben. Tatsächlich sprechen aber die vielen Gerichtsurteile rund um die Frage der Transparenz der Abschlusskosten Bände. Es ist eine Mär, dass bei den Abschlusskosten Transparenz herrschen würde", kommentiert der BdV-Vorstandssprecher in einem Blog-Beitrag.
Ganz gleich aber, wie der öffentliche Schlagabtausch nun enden wird: Das Urteil des OLG Köln ist bislang noch nicht rechtskräftig, zumal die Richter eine Revision zugelassen haben. Es ist also durchaus wahrscheinlich, dass diese Fragen nun höchstrichterlich geklärt werden. (vwh/td)
Bildquelle: Alexander Klaus / pixelio.de
GDV · Abschlusskosten · BdV
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