Politik & Regulierung

Deutschlands Mitte im Stimmungstief

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Nur sieben Mal seit 1949 sahen die 30- bis 59jährigen Deutschen mit so viel Pessimismus in die Zukunft wie in diesem Jahr. Schuld daran waren und sind jeweils krisenhafte politische Situationen. So lautet ein Ergebnis der im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vom Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) durchgeführten Studie "Generation Mitte", die gestern in Berlin vorgestellt wurde.
Die ansonsten eher zurückhaltend erklärende und argumentierende IfD-Geschäftsführerin Renate Köcher geizte bei der Vorstellung der diesjährigen Studie nicht mit markigen Begriffen. Als eine "eigentümliche Konstellation" bezeichnete sie die wachsende Schere zwischen privatem Wohlbefinden und zunehmender Skepsis, was die gesellschaftliche Entwicklung betrifft.
Da sei "einiges ins Rutschen" geraten und ein historischer Tiefpunkt erreicht, was den optimistischen Blick in die Zukunft betrifft. Nur nach einschneidenden historischen Ereignissen wie der Korea-Krise, dem Mauerbau, zwei Ölkrisen, der Wende mit anschließendem Balkankrieg, 911 und der jüngsten Finanzmarktkrise sahen die Deutschen in den letzten knapp 70 Jahren ähnlich schwarz, was die Zukunft Deutschlands betrifft.
"Die Menschen treibt vor allem die Angst vor zunehmender Polarisierung um", fasst Köcher zusammen. Die Schere zwischen Arm und Reich, Sorge vor steigender Fremdenfeindlichkeit, terroristischen Anschläge und einer wieder einsetzenden Flüchtlingsflut sehen die Menschen der mittleren Generation als die größten Gefahren für Deutschland. Was das eigene Fortkommen betrifft, steht die eigene materielle Absicherung ganz oben auf der Sorgenliste.
Mit 60 Prozent für die Angst vor Armut im Alter die Hitliste an, gefolgt von genereller Furch vor nicht auskömmlichem Einkommen und sinkendem Lebensstandard (44 bzw. 40 Prozent). Doch auch die Angst vor Einbrüchen (35 Prozent), Gewaltverbrechen (25 Prozent) und terroristischen Anschlägen (22 Prozent) hat sich zum Teil im Vergleich zu 2015 verdoppelt. 68 Prozent der Befragten haben zudem den Eindruck, dass die Zahl der Verbrechen in Deutschland zunimmt.
Große Bedenken herrschen, was den Erfolg der Integration von Zuwanderern und Flüchtlingen betrifft. Vor allem mittlere und untere Einkommen zweifeln daran, dass Zuwanderung unserer Gesellschaft guttut. Unter dem Eindruck der Flüchtlingswelle hat sich die Einschätzung im Vergleich etwa zu 2014 zum Teil drastisch verschlechtert; wobei, wie Köcher betont, viele Menschen nicht zwischen Zuwanderung und Flucht unterscheiden können.
Quer durch alle Einkommensschichten legt die Generation Mitte Wert auf gesellschaftlichen Zusammenhalt. Zwar sollen Menschen, die mehr leisten auch mehr Geld bekommen, doch auch den unteren Schichten soll es gut gehen. Unterschichten wie es sie in anderen westlichen Ländern wie etwa den USA gibt, so Renate Köcher, würden in Deutschland nicht akzeptiert, was auch gut sei.
Bedeutsam für die Finanzbranche ist insbesondere die Tatsache, dass es ein Großteil der Leistungsträger unserer Gesellschaft – denn das ist die Generation Mitte – aufgegeben hat, finanzielle Ding langfristig zu regeln. 39 Prozent schauen weniger als fünf Jahre in die Zukunft, 2015 waren es nur 32 Prozent. Und: 65 Prozent der Befragten fühlen sich von der gegenwärtigen Rentendebatte verunsichert. Auch GDV-Präsident Alexander Erdland mahnte die Politik, nicht mit ständigen neuen Grundsatzentscheidungen die Rentenpolitik infrage zu stellen und damit das Vertrauen der Bürger zu untergraben. Er appellierte an die Politik, das bewährte Drei-Säulen-System zu erhalten und für einen "intelligenten Ausbau der kapitalgedeckten Vorsorge" zu sorgen. (epo)
Bildquelle: Erwin Lorenzen / pixelio.de
GDV · Allenbach-Studie Generation Mitte
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