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Feuer: Geburtsstunde der Versicherer

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Vor genau 350 Jahren wurde London durch eine Feuersbrunst weitgehend eingeäschert. Die Katastrophe würde heute 37 Mrd. Britische Pfund kosten. Damals gab es weder Feuerwehr noch Versicherer. Die Policen für Gebäude setzten sich erst in den darauf folgenden Jahren durch. In Erinnerung an das Ereignis wurde ein 120 Meter langes Holzmodell der historischen Altstadt auf der Themse in Brand gesetzt.
Das größte Schadenereignis in der Geschichte Londons war die Geburtsstunde der Versicherer. 1666 zerstörte ein Großbrand 13.200 Wohngebäude, 87 Dorfkirchen sowie die Kathedrale von St. Paul's. Schätzungsweise 100.000 der überlebenden Bewohner wurden obdachlos. Bereits Jahrhunderte zuvor waren Gebäude aus Holz und Reetdächern verboten worden, trotzdem waren 1666 derartige Konstruktionen noch weit verbreitet. Dabei hatte es 1632 schon einmal einen Großbrand gegeben und man hätte gewarnt sein müssen. Eine vergleichbare Katastrophe im Jahr 2016 würde gemäß einer Hochrechnung des britischen Versicherungsverbands ABI durch Inflation und intensivere Bebauung Sachschaden von 37 Mrd. Britischen Pfund auslösen, Berufsunfähigkeits-Schäden nicht eingerechnet.
Es dauerte Tage, bis der Londoner Bürgermeister Sir Thomas Bloodworth das Schlagen von Feuerschneisen anordnete. Gestoppt wurden die Flammen schließlich durch das Abflauen der starken Ostwinde sowie durch die von der Mannschaft des Towers mit Sprengstoff geschaffenen Schneisen. Wer keine private Schadensbegrenzung betrieb, hatte mitunter zu diesem Zeitpunkt bereits sein Hab und Gut verloren.
Die Katastrophe von London führte in den Folgejahren ein Umdenken herbei. Bereits in den Wiederaufbauplänen aus dem Jahr 1667 findet sich ein Grundstück für ein ansonsten noch undefiniertes "Insurance Office". Anscheinend sollte dies eine öffentliche Einrichtung der City of London werden, doch das Projekt scheiterte. 1681 schließlich gründeten zwölf Geschäftsleute das "Insurance Office for Houses". 1696 war die Hand in Hand Fire & Life Insurance Society als Gegenseitigkeitsversicherer entstanden, 1710 die immer noch existierende Sun. Der Sachversicherungsgedanke sprang alsbald auch auf die amerikanischen Kolonien über. Benjamin Franklin gründete 1752 in Philadelphia einen Versicherer.
Damalige Versicherer boten einen integrierten Service: Feuerwehr und gleichzeitig Versicherer. Dies hatte jedoch den Nachteil, dass die jeweiligen miteinander konkurrierenden Feuerwehren nur die beim eigenen Institut gedeckten und mit entsprechenden "Fire Marks" gekennzeichneten Gebäude löschten. An die Stelle dieser privaten Wehren traten schließlich öffentliche. Während flächendeckende Stadtbrände in früheren Jahrhunderten häufiger vorkamen, erscheinen sie heutzutage aufgrund der Verwendung von schwer entflammbaren Materialien, der Einrichtung professioneller Feuerwehren sowie automatischen Brandmeldesystemen fast ausgeschlossen. In den immer weiter fallenden Feuerversicherungsraten spiegeln sich die rückläufigen Eintrittswahrscheinlichkeiten von Feuersbrünsten. Mittlerweile sind Prämienraten unter einem Promille üblich. (vwh/cpt)
Bild: Vom 2. bis zum 5. September 1666 wütete ein Feuer, das 80 Prozent der historischen "City of London" zerstörte (Quelle: Copyright Museum of London. Illustrations by Christopher Brown. Design concept by The Chase)
Lesen Sie den vollständigen Beitrag "Geburtsstunde der Feuerwehr. Die Entstehung der ersten Gebäudeversicherer", in der Versicherungswirtschaft 09/2016, (zum Einzelbeitrag)
Feuerversicherung · Brand
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