Schlaglicht

"Die Schäden durch Wirtschaftsspionage sind extrem hoch"

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Cyperkriminalität bedroht Unternehmen und Privatpersonen in zunehmendem Maße. Die Fälle von Cyperangriffen und Internetkriminalität steigen und verursachen enorme Schäden. Welche Gefahren drohen und wie sich die Unternehmen der Versicherungsbranche besser schützen können, erläutert Ole Sieverding, Product Head Cyber & Data Risks bei Hiscox Deutschland.
VWheute: "Cybercrime ist nach wie vor ein wachsendes Phänomen", konstatierte unlängst BKA-Chef Holger Münch. Allein 2015 registrierten die Behörden rund 45.000 Fälle von Internetkriminalität mit einem Schaden von mehr als 40 Mio. Euro. Welche Herausforderungen bedeutet diese Entwicklung für die Versicherungsbranche, speziell die Cyber-Versicherer?
Ole Sieverding: Die Versicherer sind jetzt mehr denn je gefragt, Aufklärungsarbeit zu leisten. Noch immer wissen zu wenige Unternehmen darüber Bescheid, welchen Mehrwert eine Cyber-Versicherung für sie im Schadenfall bietet. Als zweite Linie der Verteidigung gegen Cyber-Angriffe bieten hochwertige Cyber-Versicherungen einen echten Mehrwert und direkten Zugang zu IT-Experten und Krisenberatern. Mit den zusätzlich angebotenen Präventionsmaßnahmen sind die Unternehmen dann gut aufgestellt und können sich auf ihr Tagesgeschäft fokussieren.
VWheute: Neben den Bedrohungen aus der digitalen Welt ist laut einer aktuellen KPMG-Studie derzeit jedes dritte Unternehmen in Deutschland auch von Wirtschaftsspionage betroffen, mit einem jährlichen Schaden von rund 100 Mrd. Euro. Was bedeutet diese Entwicklung konkret für Versicherer?
Ole Sieverding: Die Schäden, die durch Wirtschaftsspionage über digitale Einfallstore wie unbekannte Lücken im IT-System oder unaufmerksame Mitarbeiter entstehen, sind bereits jetzt extrem hoch und werden durch die Digitalisierung weiter steigen. Wichtig ist hier, die Gefahr auch kleinen und mittleren Unternehmen vor Augen zu führen.
Sie besitzen oft wertvolles Fachwissen oder als Zulieferer Zugang zu Großunternehmen, sorgen aber oftmals nur unzureichend für den Ernstfall vor. Dabei hilft es schon, wenn für das Unternehmen im Rahmen der Cyber-Versicherung ein individueller Krisenplan für den Fall einer Cyberattacke ausgearbeitet wurde. In Fällen von Wirtschaftsspionage zählt zudem die Reaktionsgeschwindigkeit.
Wird ein feindlicher Zugriff bemerkt und kann das betroffene Unternehmen unmittelbar auf ein Netzwerk von Experten zurückgreifen, kann auch der Schaden mit möglicherweise weitreichenden Konsequenzen eingedämmt werden. Gerade in dieser kritischen Zeit nach einem Datenverlust oder Hackerangriff ist der Versicherer gefragt, der in Zusammenarbeit mit spezialisierten IT-Experten das Unternehmen telefonisch und bei Bedarf auch vor Ort unterstützt.
VWheute: Cybercrime und Wirtschaftskriminalität – insbesondere -spionage – bleiben auch weiterhin ein heißes Zukunftsthema. Wie muss die Branche aus Ihrer Sicht darauf reagieren?
Ole Sieverding: Vor allem durch die wachsende IT-Abhängigkeit von Geschäftsprozessen in allen Branchen werden die Gefahren für Unternehmen zahlreicher und vielfältiger. Das Interesse an entsprechenden Policen wächst in Deutschland exponentiell.
Die Versicherungsbranche muss sich ständig auf neue Taktiken der Cyberkriminellen und die sich entsprechend wandelnde Bedrohungslage einstellen. In diesem Bereich müssen Policen laufend weiterentwickelt werden und die Versicherer brauchen kompetente Partner an ihrer Seite. Die Zukunft gehört den Anbietern, die das aktuellste, auf die Unternehmen zugeschnittene Produkt mitbringen und mit ihrem umfassenden Know-how Vertrauen gewinnen.
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.
Bild: Ole Sieverding, Product Head Cyber & Data Risks bei Hiscox Deutschland (Quelle: Hiscox)
Cyberattacken · IT-Sicherheit
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