Politik & Regulierung

G 20: Die Welt blickt nach Hangzhou

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Hangzhou, eine traditionelle Touristmus-Stadt rund 170 km südwestlich von Schanghai, gerät allmählich in den Mittelpunkt der internationalen Medien. Dort wird an diesem Wochenende die diesjährige G 20 an dem legendären See Xihu stattfinden. In diesen Tagen sind die Hangzhouer im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Häuschen.
Um Sicherheit und Ruhe zu gewährleisten, verlängert die Stadtverwaltung die Schulferien und ermutigt die Einwohner, die Stadt für einen Kurzurlaub zu verlassen, damit sich der Verkehr mit beinahe einhundert Buslinien und hunderttausenden Autos etwas beruhigen kann.
Viele Zugverbindungen von anderen Städten nach Hangzhou sind inzwischen eingestellt worden. Stattdessen werden tausende Polizisten in Stellung gebracht. Paramilitärpolizei und sogar reguläre Soldaten der Volksbefreiungsarmee wurden in die Stadt und Umgebung kommandiert. Gerade wegen dieses Spektakels fragen sich viele Menschen, welchen Vorteil das G 20-Treffen bringen soll. Die chinesische Führung gibt sich offenkundig Mühe, die Bedeutung des Gipfel-Treffens und die eigene Rolle als Gastgeber hoch anzusetzen.
Betont werden die Gipfel-Themen der Agenda, insbesondere: Die Strategien für ein koordiniertes und innovatives Wachstum, eine effiziente Weltfinanz-Governance, der Abbau von Handelshemmnissen bzw. freier Handel und freie Investitionen sowie inklusives Wachstum für Kooperationspartner Chinas.
Das "inklusive Wachstum", so die chinesische Regierung, soll nach Ansicht der chinesischen Regierung anderen Ländern ermöglichen, sich im Zuge des Aufstiegs Chinas mit zu entwickeln. Dies gelte vor allem bei engagierter Mitwirkung am chinesischen Vorhaben zum Aufbau der Neuen Seidenstraße. Ein neues Konzept mit dem wohlklingenden Namen "Grüne Finanz" will die Volksrepublik auf dem Treffen vorstellen. Grüne Finanz zielt auf die Förderung der Finanzierung der Umwelttechnik und der umweltfreundlichen nachhaltigen Produktion.
Hinter den Kulissen soll sich die chinesische Führung seit einiger Zeit sehr bemüht haben, die teilweise recht unterschiedlichen Meinungen der Gastländer in Hangzhou auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Zum Beispiel geben die Amerikaner zu erkennen, dass sie das Thema Südchinesisches Meer zur Sprache bringen werden, was die Chinesen hingegen gar nicht gern sehen.
Auch zu Freihandel vs. Protektionismus gibt es zwischen den beiden Ländern Differenzen. Bei allen diesen Themen gerieren sich Amerikaner und Chinesen wie ewige Rivalen und zugleich unverzichtbare Partner. Obwohl die chinesische Führung Präsident Wladimir Putin als den wertvollsten Gast des Gipfels benennt, liegt Barrack Obama offenbar doch auf dem ersten Rang in der Gästeliste der chinesischen Regierung. Immerhin gelten die USA als der größte Abnehmer von chinesischen Exportwaren. Obama kommt eigens einen Tag früher nach Hangzhou. Präsident Xi wird sich mindestens einen halben Tag Zeit nehmen, um mit Obama Gespräche zu führen.
Zudem ist auch ein Privatbankett von Xi für den ausscheidenden US-Präsidenten vorgesehen. Nicht von ungefähr wollen manche chinesische Medienbeobachter anstelle G 20 eher ein G 2.0 erkannt haben. Besonders bemerkenswert ist die neuliche Erklärung von Präsident Xi Jinping, dass China die wichtigsten internationalen Themen in Zukunft nur im Rahmen von G 20 ausdiskutieren wird. Wörtlich sagte er einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge, dass China künftig kein weiteres ähnliches Forum mehr aufbauen werde. Doch ein Indikator dafür, dass China dem G 20-Treffen wirklich eine hohe Bedeutung beimisst. (hy)
Bild: Der legendäre See Xihu in Hangzhou. (Quelle: hy)
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