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Kfz-Versicherer: Utopie gesucht

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Von Onnen Siems. Die "Zukunftstechnologie" Telematik löst die Erwartungen nicht ein. Die Versicherer haben nicht zu viel gewagt – sondern zu wenig. Die R+V hat sich aus der Telematik zurückgezogen. Die VHV hat von 10.000 Telematik-Boxen nicht einmal 1.000 verkauft. Die Allianz beschränkt ihr Angebot ausschließlich auf junge Fahrer.
Das Projekt Telematik, einstige "Zukunftshoffnung" der Kfz-Assekuranz, gerät bescheidener als gehofft. Die Einsparnisse, mit denen vorsichtiges Fahren belohnt werden soll, fallen spärlich aus - zumal Kunden sie mit den Kosten für die Telematiktechnik verrechnen müssen. Daher zahlt sie sich nur bei Fahranfängern oder anderen Hochrisikogruppen aus. Eine hohe Marktdurchdringung ist nicht möglich.
Angepriesen wurde der gesellschaftliche Segen, den die Telematik zu versprechen scheint: Vorsichtiges Fahren soll belohnt werden. Doch dies ist nur alter Wein in neuen Schläuchen. Den Bonus/Malus-Gedanken setzen die Schadenfreiheitsklassen schon seit langem sehr effektiv um.
Dabei brauchen die Kfz-Versicherer dringend neue Ideen. Ein kalter Strukturwandel steht an. Das autonome Fahren wird die Kfz-Versicherung weitgehend überflüssig machen – eher früher als später. Dass das Prämienvolumen bis zum Jahr 2030 um bis zu 45 Prozent einbricht, wie KPMG glaubt, ist noch eine optimistische Schätzung. Telematik ist ein richtiger Schritt. Aber für den großen Wurf ist das wohl noch zu wenig (siehe DOSSIER).
"Think big" - so macht es State Farm, um das Überleben in der neuen Welt zu sichern. Der in den USA führende Kfz-Versicherer hat ein Patent als "Life Management Company" angemeldet. Aus Daten zu beispielsweise Körpergewicht, Blutdruck, häuslichem Energieverbrauch und Autofahrverhalten will er hochindividualisierte Dienstleistungsangebote ableiten. Autos spielen dann noch immer eine Rolle, aber anders. Wer, den Messungen zufolge, nervlich angespannt ist, nachdem ein Autoeinbruch geschehen ist, bekommt ein Mittel gegen Stress angeboten – etwa die Offerte für einen bewachten Parkplatz oder andere professionelle Sicherheitsdienste.
Bild: Onnen Siems ist Geschäftsführer von Meyerthole Siems Kohlruss und Mitgründer von VM4K, einem Thinktank für die Kfz-Versicherung. Er ist zudem Gastgeber der K-Tagung 2016 in Köln. (Quelle: Meyerthole Siems Kohlruss)
Kfz-Versicherer · Onnen Siems
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