Politik & Regulierung

Italien: Schadensbilanz ist schlimmer als befürchtet

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Noch vor wenigen Tagen konnte man hoffen, dass es - trotz der menschlichen Tragödie - nicht so verheerend ausfallen werde. Doch die Hoffnung war trügerisch: Das verheerende Erdbeben zwischen Umbrien und den südlichen Marken hat alle Befürchtungen jedoch weit übertroffen. Inzwischen gehen die Behörden von mindestens 300 Todesopfern aus, darunter viele Kinder.
Die reizvolle, grüne Berglandschaft ist eine im Sommer beliebte Ferienregion, um der Hitze zu entkommen. So sind nicht nur Einheimische unter den Opfern, sondern auch viele Urlauber aus Rom und anderen Städten sowie Jugendliche in ihren Ferienlagern. Damit erreicht die Tragödie die Ausmaße der Naturkatastrophe von L´Aquila im Jahre 2009. Damals waren 309 Menschen unter den Trümmern gestorben, Tausende wurden verletzt, Zehntausende hatten ihr Dach verloren; der Wiederaufbau dauert bis heute an.
Nun hat es diesmal zwar kein Industrie- und Gewerbezentren getroffen, dennoch dürfte der Schaden nach einem ersten Überblick in die Milliarden gehen. Das liegt auch an der komplizierten Infrastruktur in der geographisch schwer zugänglichen Region mit ihren vielen Brücken, Tunnels und entsprechend aufwendiger Versorgungsstruktur. Die Orte Amatrice, Pescara del Tronto und Accumuli sind quasi ausgelöscht; die Existenz Tausender Menschen hat sich über Nacht in Nichts aufgelöst. Immer lauter wird die Frage nach der Verantwortung gestellt, die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen: Selbst öffentliche Gebäude wurden offenbar, entgegen der strengen Vorschriften, nicht erdbebensicher gebaut. Korruption, Betrug, Pfusch – ein tödlicher Cocktail.
Neben der Regierung - die noch am Freitag den Notstand über das Gebiet verhängte, um so die im Haushalt vorgesehenen Mittel zur Soforthilfe freizugeben - haben nun auch die Banken und Versicherungen reagiert. Die Regierung in Rom wies die Finanzämter an, ab sofort sämtliche Steuern und Abgaben in den zerstörten Gemeinden auszusetzen. Die meisten Finanzinstitute tun es gleich, und haben die Betroffenen umgehend von der Bedienung von Immobilienfinanzierungen und Ratenkrediten befreit. Zudem stellen viele Banken den überlebenden Opfern zinslose Darlehen zur Verfügung, um für das Lebensnotwendige vorzusorgen.
Die im Gesamtverband ANIA zusammengeschlossenen Versicherer einigten sich unterdessen darauf, die Betroffenen mit sofortiger Wirkung von allen Prämienzahlungen, Kreditrückführungen und sonstigen materiellen Verpflichtungen auszunehmen. Die Assekuranzen, betont ANIA-Präsidentin Maria Bianca Farina, würden in den kommenden Tagen und Wochen individuelle Pläne und Initiativen für die Entschädigung der Opfer und Hilfe beim Wiederaufbau vorstellen. (mf)
Bild: Rettungskräfte im Erdbebengebiet in Italien (Quelle: dpa)
Erdbeben · Ania
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