Schlaglicht

Versicherer wollen nach Erdbeben unbürokratisch helfen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Es war mitten in der Nacht, als eine unsichtbare Hand an den Betten rüttelte und viele Römer aus dem Schlaf riss. Rund 20 Sekunden dauerte der Spuk. In den Häusern gingen die Lichter an, Menschen standen an den Fenster und auf den Balkonen. Die große Panik blieb aus; nach einem weiteren Erdstoß eine gute halbe Stunde später war jedoch klar, dass irgendwo im Hinterland Schlimmes passiert sein musste.
Die Morgennachrichten bestätigten die Befürchtungen. Das Epizentrum des Bebens um 3.30 Uhr lag in zehn Kilometern Tiefe bei Accumoli südöstlich der Stadt Norcia, etwa 170 Kilometer von Rom entfernt. Eine Stunde später folgte ein Nachbeben der Stärke 5,5, kurz drauf ein weiteres.
Im Zentrum Italiens sind unterdessen immer mehr Todesopfer zu beklagen: Bis zum frühen Abend stieg die Zahl auf mindestens 120. Die meisten Menschen starben in den Orten Accumoli, Arquata de Tronto (Region Marken) und Amatrice. Aus Angst vor weiteren Erschütterungen verbrachten viele Italiener in Umbrien und den südlichen Marken die Nacht in Pyjama und in Decken gehüllt auf der Straße. Schwere Schäden wurden auch in der Provinz Rieti verzeichnet.
Unmittelbar nach dem Beben herrschten chaotische Zustände. Menschen sind in ihren Häusern eingeschlossen, teilweise unter Trümmern begraben. Die Straßen sind zum Teil nicht befahrbar. Auch Krankenhäuser und Seniorenheime wurden erheblich beschädigt, Patienten und Bewohner müssen vorübergehend woanders untergebracht werden. Rettungskräfte aus ganz Italien sind im Dauereinsatz. Im Tagesverlauf gab es mehrere Nachbeben, deren Erschütterungen ebenfalls bis nach Rom zu spüren waren.
Erinnerungen an das schwere Erdbeben im Jahr 2009 in der Region L'Aquila werden wach. Damals kamen mehr als 300 Menschen ums Leben. Den Versicherern waren Schäden in Milliardenhöhe entstanden. So schlimm dürfte nach Ansicht von Beobachtern diesmal nicht kommen, da sich das Erdbeben in einer eher dünn besiedelten Gegend zutrug und keine Großstadt betroffen war. Weitere Stellungnahmen der Assekuranzen gab es zunächst nicht; man wolle den Betroffenen jedoch schnell und unbürokratisch helfen, so eine Sprecherin des Gesamtverbandes Ania.
Aus Regierungskreisen hieß es, dass aus dem Haushalt momentan Mittel in Höhe von 246 Mio. Euro aus dem Hilfsfond für Naturkatastrophen verfügbar seien. Die Ereignisse dürften allerdings die politische Diskussion um eine Pflichtversicherung für erdbebengefährdete Regionen neu entfachen. (mf)
Bild: Zerstörungen nach dem Erdbeben in Italien (Quelle: dpa)
Italien · Erdbeben · Ania
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