Politik & Regulierung

"Geldpolitik droht zum Stabilitätsrisiko zu werden"

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Der GDV-Chefvolkswirt Klaus Wiener sieht ein wachsendes Missverhältnis im Zusammenspiel zwischen der Geldpolitik und der makroprudenziellen Aufsicht. Indem die EZB ihren Fokus auf die Preisstabilität richtet, hat sie ein Zinsgefüge geschaffen, aus dem erhebliche Risiken für die Finanzstabilität erwachsen. Damit liegt eine immer größere Verantwortung für die Wahrung der Finanzstabilität bei der makropudenziellen Aufsicht. "Das birgt erhebliche Gefahren für die Altersvorsorge und die soziale Gerech­tigkeit", schreibt der Ökonom in der neuen Ausgabe von Makro und Märkte Kompakt.
Um Risiken für die Stabilität des Finanzsystems (sogenannte systemische Risiken) frühzeitig zu erkennen, wurde von Politik und Aufsichtsbehörden die "makroprudenzielle Überwachung" eingeführt. Auf Europaebene ist dafür das European Systemic Risk Board (ESRB) zuständig, in Deutschland der seit 2013 eingerichtete Ausschuss für Finanzstabilität (AFS). Er besteht aus den Vertretern des Bundesfinanzministeriums, der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und der Deutschen Bundesbank und kann Warnungen oder Empfehlungen aussprechen.
Doch in der heute veröffentlichten Ausgabe von Makro und Märkte Kompakt hinterfragt Wiener  die Möglichkeiten dieses Überwachungsregimes im aktuellen Umfeld. Neben der sehr einseitigen Ausrichtung der aktuellen Geldpolitik liegt dies auch an den noch fehlenden Erfahrungen mit der systematischen Überwachung des globalen Finanzsystems. Gleichzeitig "sind vermehrt auch unerwünschte Nebenwirkungen zu erwar­ten, darunter ineffiziente Anpassungsreaktionen der Markt­teilnehmer (z.B. Fehlanreize in der Assetallokation), übermäßige Bürokratiekosten (Reporting, Risikomanagementsysteme) sowie überhöhte Belastungen für Aufseher, Finanzinstitute und deren Kunden. Die praktischen Schwierigkeiten werden durch die ext­rem hohe Komplexität der Aufsichtsarchitektur verstärkt."
Die erheblichen Folgen von künstlich niedrig gehaltenen Zinsen und deren gesamtwirtschaftliche Risiken können Aufseher  nicht ausgleichen. "Die Volkswirtschaft läuft Gefahr, in einer lan­gen Phase der Quasi-Stagnation gefangen zu sein. Die makroprudenzielle Aufsicht kann die Geldpolitik hier keineswegs aus der Verantwor­tung entlassen", betont Klaus Wiener. (vwh/dg)
Bild: Klaus Wiener ist seit dem 1. Dezember 2015 Chefvolkswirt des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft. (Quelle: GDV)
GDV · EZB · Niedrigzinsen · Klaus Wiener
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