Schlaglicht

Moneymeets: "Wir lieben Regulierung!"

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"Der Grund ist, dass jede Regulierung revisionsfeste Regeln schafft, die sich nur in digitalen Modellen skalieren lassen", erklärt Johannes Cremer, Geschäftsführer des Fintechs Moneymeets, im Exklusivinterview mit VWheute. "Wir nehmen wahr, dass die Regulierer den digitalen Unternehmen Freiheiten lassen, wenn die Beratungsprozesse wissenschaftlich untermauert sind."
VWheute: Anbieter für digitale Versicherungsordner gibt es viele. Wie unterscheidet sich moneymeets von der Fintech-Konkurrenz?
Johannes Cremer: Moneymeets ist ein Personal-Finance-Management-Service. Das heißt, wir bieten unseren Kunden einen vollständigen Überblick über alle Finanzprodukte, unabhängig davon, ob es sich um Investmentdepots, Tagesgeldkonten, Kreditkarten oder die Hausratversicherung handelt. Wir sind überzeugt, dass Versicherungen nicht losgelöst von den weiteren Finanzprodukten eines Kunden betrachtet werden können. So sind Lebens- und Rentenversicherungsprodukte untrennbar mit Investmentsparplänen sowie dem Kontensparen thematisch verbunden und die Wahl der Selbstbeteiligung in einer Sachversicherung von der finanziellen Tragfähigkeit, die wiederum vom liquiden Vermögen eines Kunden abhängt.
VWheute: Sie konnten die Dieter von Holtzbrinck Ventures, die Schweizer Woodman Asset Management Group und erstmals auch eine Bank, die Schweizer PostFinance AG, als Investoren gewinnen. Wohin werden diese Investitionen fließen?
Johannes Cremer: Wir investieren die Mittel in zwei Kernbereiche: Wir entwickeln vollständige digitale Beratungsangebote für unsere Kunden. So starten wir voraussichtlich ab Oktober gemeinsam mit dem Center for Asset & Wealth Management der Otto Beisheim Universität - WHU ein vom Land Nordrhein-Westfalen gefördertes Projekt zur Weiterentwicklung unseres digitalen Beratungsangebotes. Ferner werden das Investment ebenso stark in den Ausbau unserer Contenterstellung und -vermarktung investieren.
VWheute: Sind Sie überhaupt auf den klassischen Offline-Versicherungsvermittler angewiesen?
Johannes Cremer: Die Rolle des klassischen Versicherungsvermittlers wird sich wandeln und wir werden unseren Beitrag leisten, klassische Vermittler in der neuen Rolle zu unterstützen. Das wird sich in ähnlichen Bahnen vollziehen wie die Rollenveränderung eines Händlers auf E-Commerce-Plattformen wie Amazon & Co. Das bedeutet konkret, dass wir das Bedürfnis von Kunden, die persönliche Beratung wollen, auch erfüllen werden. Dabei spielt das Know-how der heutigen Offline-Vermittler eine wichtige Rolle.
VWheute: Inwiefern ist Ihr Geschäftsmodell durch größere Transparenz und härtere Regulierungsmaßnahmen gefährdet?
Johannes Cremer: Internetmodelle lieben Regulierung! Der Grund ist, dass jede Regulierung revisionsfeste Regeln schafft, die sich nur in digitalen Modellen skalieren lassen. Transparenz ist für uns ohnehin nichts, was wir erst schaffen müssen, im Gegenteil: Transparenz ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Geschäftsmodells. Auf internationaler Ebene nehmen wir wahr, dass die Regulierer den digitalen Unternehmen Freiheiten lassen, wenn die Beratungsprozesse wissenschaftlich untermauert sind. Das ist ein wichtiger Motivator für uns gewesen, mit der WHU in diesen Themen zusammen zu arbeiten. Über intelligente Visualisierungskonzepte bekommen wir so auch die Konversion in Abschlüsse mit dem notwendigen Verbraucherschutz in Übereinstimmung gebracht.
VWheute: Wo werden die Daten, die Kunden Ihnen anvertrauen, gespeichert und wer kann auf diese Daten zugreifen?
Johannes Cremer: Datenschutz ist ein wichtiges Thema, hier bedarf es solider Berechtigungskonzepte, Verschlüsselungsmechanismen etc. Unsere Rechenzentren sind ebenso zertifiziert und in Deutschland angesiedelt. Aus den Erfahrungen mit Suchmaschinen und Plattformen wie Amazon und Ebay sind aus unserer Sicht der Nutzen der Kunden und die Bequemlichkeit entscheidendere Faktoren. Ich möchte das gerne an einem Beispiel deutlicher machen: Die meisten Nutzer von Google haben ein eher geringeres Vertrauen in den Umgang mit Daten bei Google, gleichwohl sind die Marktanteile von Google bei 90 Prozent und mehr. Das zeigt, welchen Stellenwert die Kriterien im Vergleich miteinander haben. Gleichwohl lassen sich die Kriterien auch vereinen, nichts anderes muss das Ziel jedes Fintechs sein.
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur David Gorr.
Bild: Johannes Cremer, Geschäftsführer des Fintechs Moneymeets (Quelle: privat)
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