Schlaglicht

Höheres Risiko bewaffneter Konflikte durch Klimawandel

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Kalte und schneereiche Winter, sonnige und warme Sommermonate – eigentlich "normales Wetter" in gemäßigten Gefilden wie Deutschland. Die Wetterkapriolen mit extremen Unwetter der letzten Wochen und Monate nähren jedoch den Verdacht, dass der Klimawandel bereits in vollem Gange ist. Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimaforschung gehen nun davon aus, dass das Klima-Desaster das Risiko bewaffneter Konflikte in ethnisch zersplitterten Ländern noch erhöhen wird.
"Klimabedingte Naturkatastrophen haben ein destabilisierendes Potenzial, das sich in ethnisch zersplitterten Gesellschaften auf besonders tragische Art und Weise entfaltet", betont Carl-Friedrich Schleussner von Climate Analytics und dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) in einem Fachbeitrag für das US-Fachjournal Proceedings of the US National Academy of Sciences. So fanden die Wissenschaftler heraus, dass fast ein Viertel der Konflikte in ethnisch gespaltenen Ländern mit natürlichen klimatischen Desastern zusammenfallen.
Dabei geht es nach Aussage der Experte weniger um den Einfluss des von Menschen verursachten Klimawandels: "Klima-Desaster führen nicht direkt zum Ausbruch von Konflikten, aber sie können das Risiko für einen Ausbruch erhöhen, der seine Wurzeln in den jeweiligen Rahmenbedingungen hat. Das scheint recht naheliegend, aber wir können das nun wissenschaftlich fundiert belegen", erläutert Schleussner auf der Basis einer neuen Studie des Instituts.
Eine zentrale Kernthese der Studie: "Bewaffnete Konflikte zählen zu den größten Bedrohungen für Menschen – für manche enden sie tödlich, andere werden gezwungen, ihre Heimat zu verlassen und vielleicht in weit entfernte Länder zu fliehen. Ethnische Spaltungen und Naturkatastrophen als Verstärker von Destabilisierungsrisiken zu erkennen, ist deshalb sehr wichtig", betont Co-Autor Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.
Dabei gehen die Forscher davon aus, dass der "menschgemachte Klimawandel die Hitzewellen und regionale Dürren verstärken. Gleichzeitig "können Beobachtungen in Kombination mit dem, was wir über wachsende Auswirkungen des Klimawandels wissen, dazu beitragen, der Sicherheitspolitik zu helfen, Risikoregionen zu erkennen", betonten die Forscher. Demnach seien einige der konfliktanfälligsten Regionen der Welt wie Nord- und Zentralafrika oder Zentralasien sowohl besonders verwundbar durch den menschgemachten Klimawandel als auch geprägt von tiefen ethnischen Spaltungen.
Ein Kritikpunkt der Klimaforscher: die bisherige Forschung konzentriere sich oftmals auf klimatische Variablen wie steigende Temperaturen oder begrenzten sich auf bestimmte Fallstudien. Die aktuelle Studie der Klimaforscher bezieht nun auch ökonomische Schadendaten von Naturkatastrophen ein, die vom Rückversicherer Munich Re gesammelt wurden.
Dabei zeigten sich die Experten besonders davon überrascht, "wie sehr die Ergebnisse für ethnisch zersplitterte Länder herausstachen gegenüber anderen Eigenschaften der Länder – etwa ihrer Konfliktgeschichte, Armut oder Ungleichheit", ergänzt Co-Autor Jonathan Donges, einer der Leiter des PIK Flaggschiffprojekts zu ko-evolutionären Pfaden COPAN: "Wir denken, dass ethnische Spaltungen eine gesellschaftliche Bruchlinie sein können, wenn zusätzliche Stressfaktoren wie eben Naturkatastrophen eintreten. Das könnte multi-ethnische Länder besonders anfällig für die Folgen solcher Desaster machen." (vwh/td)
Bildquelle: Kurt Michel / pixelio.de
Klimawandel
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