Märkte & Vertrieb

"Firmen zahlen Steuern auf fiktive Gewinne"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Geldanlagen werfen kaum noch Zinsen ab, weshalb Firmen viel mehr Geld als früher für ihre Pensionszusagen zurückstellen. Den deutschen Staat interessiert das wenig: Laut einer neuen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) müssen die Unternehmen deshalb insgesamt zwischen 20 und 25 Mrd. Euro Steuern zu viel überweisen. "Im Ergebnis müssen die Firmen deshalb Steuern auf fiktive Gewinne zahlen", erklärt das Institut.
Die Firmen bekommen das Geld zwar später vom Fiskus zurück, doch in der aktuellen Situation ist der Zustand brandgefährlich, sagt IW-Steuerexperte Tobias Hentze: "Den Unternehmen fehlt es an Liquidität, weil sie zu viel Geld ans Finanzamt abführen müssen. Also schieben sie Investitionen auf oder verzichten ganz auf sie."
Das Handelsgesetzbuch (HGB) zwingt die Unternehmen, die ihren Mitarbeitern feste Pensionszusagen gegeben haben, die Aussichten bei der Kapitalanlage in ihren Bilanzen zu berücksichtigen. Weil das angelegte Geld weniger Zinsen abwirft, müssen sie seit Jahren zusätzliches Geld zurücklegen. Die Finanzbehörden gehen aber trotz aller Turbulenzen an den Kapitalmärkten davon aus, dass die Kapitalanlagen sechs Prozent Zinsen abwerfen. Der HGB-Zins, der sich inzwischen aus der Zinsentwicklung der vergangenen zehn Jahre errechnet, liegt inzwischen bei 4,3 Prozent.
Würde der Fiskus so rechnen, wie es das HGB vorsieht, hätten die Unternehmen laut IW-Studienautor Tobias Hentze deutlich mehr Geld für Investitionen zur Verfügung. Letztlich handele es sich bei den bis zu 25 Mrd. Euro um ein gigantisches zinsloses Darlehen, das die Unternehmen dem Staat unfreiwillig gewähren. Schließlich erhalten die Unternehmen das Geld ohne Zinsen zurück. (vwh/dg)
Bildquelle: Q.pictures / pixelio.de
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