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Rentenpräsident Reimann: "Altersarmut ist kein Massenphänomen"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Axel Reimann warnt vor Schnellschüssen bei der Rentenreform. "Es ist den Versicherten nicht zuzumuten, alle zehn Jahre grundlegende Richtungswechsel vorzunehmen", erklärt der Präsident der Deutschen Rentenversicherung Bund dem Aktuar Aktuell. Er plädiert für die Einbeziehung der Selbstständigen in die gesetzliche Rentenversicherung und hält das Drei-Säulen-Modell für ungeeignet, um Altersarmut zu bekämpfen.
Er ist überzeugt, dass ein Durchschnittsverdiener mit einer durchgängigen Erwerbsbiographie auch zukünftig eine Altersrente bekommen wird, die regelmäßig deutlich über dem Grundsicherungsbedarf liegen werde. "Die Zahl derjenigen, die zusätzlich zu ihrem Einkommen im Alter Grundsicherung beziehen, liegt aktuell bei rund drei Prozent. Altersarmut ist zurzeit also kein Massenphänomen", äußert sich Axel Reimann, Präsident der Deutschen Rentenversicherung Bund, gegenüber dem Aktuar Aktuell. "Altersarmut kann künftig ein Thema werden – insbesondere für Menschen, die lange arbeitslos waren oder als Solo-Selbstständige gearbeitet haben. Ob der Drei-Säulen-Ansatz sehr hilfreich zur Bekämpfung von Altersarmut ist, da habe ich meine Zweifel."
Begründung: Versicherte mit unstetigen Erwerbsbiografien seien oftmals eben gerade nicht in betriebliche Sicherungssysteme einbezogen und auch kaum in der Lage, in nennenswertem Umfang privat vorzusorgen. "Die Riester-Förderung versucht gerade an dieser Stelle, gezielt zu unterstützen – wenn man die Zahlen im Alterssicherungsbericht der Bundesregierung sieht, durchaus mit einigem Erfolg, aber eben nicht flächendeckend."
Deswegen fordert er gerade im Hinblick auf Personen mit relativ geringen Einkommen und unstetigen Erwerbsbiografien weitere Anreize zur Vorsorge in allen drei Säulen der Alterssicherung. "Ein solcher positiver Vorsorgeanreiz könnte z.B. dadurch entstehen, dass die Leistungen aus Alterssicherungssystemen nicht in vollem Umfang auf die Grundsicherung angerechnet werden und von daher jeder, der während des Erwerbslebens in den drei Säulen vorgesorgt hat, im Alter auch etwas davon hat." (vwh/dg)
Bild: Axel Reimann, Präsident der Deutschen Rentenversicherung Bund (Quelle: Deutsche Rentenversicherung)
Altersvorsorge · Riesterrente · Selbstständige · Zwangsrente
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