Schlaglicht

"Armut durch Kinder"

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"Eltern werden mit ihren Problemen von der Politik allein gelassen", kritisiert Siegfried Stresing, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Familienverbandes. Zwar habe der Staat "ein dringendes Interesse an Nachwuchs". Allerdings trete er "erst dann auf den Plan", wenn die Selbsthilfe der Menschen versage, lautet sein Vorwurf. Darüber hinaus fehle es an einer "familienorientierten Unternehmenspolitik".
VWheute: Herr Stresing, was verbinden heute Menschen mit dem Wunsch nach Familie?
Siegfried Stresing: Es ist vor allem der Wunsch, nicht allein leben zu wollen. Danach kommen Bedürfnisse wie Sicherheit und berufliches Fortkommen. Wenn wir uns junge Leute anschauen, dann sind das durchaus nicht alles geborene Singles, die sich Partnerschaft und Elternschaft bewusst verweigern. Im Gegenteil, 80 Prozent wollen Kinder haben. Das ist mit Abstand ihr wichtigster Wunsch. Doch sie fürchten sich vor der Armut durch Kinder oder doch zumindest finanziellen Nachteilen gegenüber Kinderlosen. Daher warten sehr viele junge Menschen nicht nur, bis sie sich ihrer Partnerschaft ganz sicher sind, sondern auch, bis sie im Beruf endgültig Fuß gefasst haben. Kinder kommen daher immer später oder gar nicht.
VWheute: Wie kann man diesem Dilemma entgehen?
Siegfried Stresing: Eltern werden mit ihren Problemen von der Politik allein gelassen. Zwar hat die Gesellschaft ein dringendes Interesse an Nachwuchs, doch die Menschen sollen sich selbst helfen. Der Staat tritt erst dann auf den Plan, wenn diese Selbsthilfe versagt. Dabei können Menschen nur dann für sich und ihre Familie sorgen, wenn die Erwerbstätigkeit so geregelt ist, dass sie uneingeschränkt daran teilnehmen können. Aber eine familienorientierte Unternehmenspolitik gibt es in Deutschland nicht. Stattdessen wird gefordert, dass die Familien sich arbeitsweltorientiert organisieren. Damit sind viele Familien überfordert mit der Folge, dass vor allem die Mütter beruflich auf der Strecke bleiben oder schlecht bezahlte Jobs annehmen.
VWheute: Was fordern Sie daher für Familien?
Siegfried Stresing: Wir haben einen Katalog an Kriterien für eine familienorientierte Unternehmenspolitik aufgestellt, der von Arbeitszeitgestaltung und Familienphasen über Personalentwicklung bis hin zur Arbeitsorganisation, aber auch Hilfe bei der Kinderbetreuung reicht. Wichtig ist auch die finanzielle und sozialrechtliche Absicherung von Eltern.
Bild: Siegfried Stresing ist Bundesgeschäftsführer des Deutschen Familienverbandes (Quelle: Deutscher Familienverband)
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