Märkte & Vertrieb

Russland gründet staatlichen Rückversicherer

Von Christoph BaltzerTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Anfang nächsten Jahres geht in Russland ein staatlicher Rückversicherer an den Markt. Gestern verabschiedete der russische Föderationsrat ein entsprechendes Gesetz, das jetzt nur noch von Präsident Wladimir Putin unterschrieben werden muss. Für die europäischen Rückversicherer ist das ein empfindlicher Rückschritt.
Mit umgerechnet einer Mrd. Euro Grundkapital geht Anfang nächsten Jahres die Nationale Rückversicherungs-Gesellschaft (NRG) in Russland an den Start. Die Gesellschaft gehört der russischen Zentralbank und soll zunächst die Objekte und Projekte rückversichern, die von den Sanktionen der westlichen Staaten betroffen sind. Dazu gehört beispielsweise das Riesenprojekt der Brücke auf die Krim, das umgerechnet bis zu 5,4 Mrd. Euro kosten wird. Aber auch der Bau drei neuer Eisbrecher durch die Vereinigten Werften (1,5 Mrd. Euro) darf nicht von westeuropäischen Rückversicherern abgesichert werden.
Die NRG soll diesen Part übernehmen. Die neue Gesellschaft wird mit einer Zwangs-Zession von 10 Prozent des zedierten Geschäfts aller russischen Erstversicherer unterstützt. Ausgenommen bleibt das verlustbringende Kfz-Haftpflicht-Geschäft und die Kapital bildende Lebensversicherung. Dank der staatlichen Unterstützung kann die neu gegründete Gesellschaft zu einem nationalen Champion heranwachsen. Am russischen Markt geht man davon aus, dass die Gesellschaft über ihre eigentlichen Ziele hinauswachsen wird und fortbestehen wird, wenn die Sanktionen des Westens aufgehoben werden.
Die Munich Re hat bereits vor einem Jahr ihr Büro in Moskau geschlossen und betreut ihr Russland-Geschäft jetzt von München aus. Die Swiss Re bleibt weiter in Moskau aktiv. Swiss-Re-Managerin Nicola Rautmann berichtete gegenüber Xprimm, dass die russischen Erstversicherer aufgrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten ihre Rückversicherungsabgaben reduzieren. Die Swiss Re habe aber Kunden hinzugewonnen.
Im vergangenen Jahr ist die russische Wirtschaft um 3,7 Prozent geschrumpft, berichten Ökonomen der Swiss Re in der neuen Sigma-Studie "Assekuranz Global". Trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind die Beitragseinnahmen im vergangenen Jahr um 3,6 Prozent gestiegen, aber nur in Rubel. Umgerechnet in Euro sind die Beitragseinnahmen durch den Rubel-Verfall um 34,5 Prozent gesunken. (ba)
Bild: Präsident der Russischen Föderation Wladimir Putin (Quelle: kremlin.ru)
Russland · Rückversicherer · Wladimir Putin
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