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Allianz kämpft um ihr Indien-Geschäft

Von Christoph BaltzerTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Allianz ist möglicherweise gezwungen, ihren Anteil an der Bajaj Allianz an den Haupteigner abzugeben. Dabei wollen die Münchener eigentlich auf 49 Prozent aufstocken. Grund dafür sind Streitigkeiten über den Preis.
Die Allianz befindet sich derzeit in intensiven Verhandlungen mit dem indischen Industriellen-Sohn Sanjiv Bajaj um die weitere Zukunft der Versicherungsaktivitäten. Die Allianz will von 26 auf 49 Prozent aufstocken, doch es herrscht Uneinigkeit über den Preis. Als die Allianz im Jahr 2001 in Indien eingestiegen ist, hat sie einen Vertrag geschlossen, der ihr die Aufstockung der Anteile von 26 Prozent auf 49 Prozent zu festgeschriebenen Konditionen erlaubt. Allerdings hat die indische Zentralbank später eine Direktive erlassen, wonach Anteile nur nach dem Fair Value oder nach dem aktuellen Marktpreis erworben werden dürfen. Diese Regelung hebelt das ursprüngliche Abkommen zwischen Allianz und Bajaj Finserv aus, berichtet das indische Wirtschaftsmagazin Mint. Nach den vorgeschriebenen Bewertungsmaßstäben wäre die Aufstockung deutlich teurer als nach dem Abkommen aus dem Jahre 2001.
Allianz will ihre Präsenz in Indien ausweiten. Seit März ist es ausländischen Firmen erlaubt, sich bis zu 49 Prozent an einem Versicherungsunternehmen zu beteiligen. Bis dahin galt die Obergrenze von 26 Prozent. Umgekehrt liebäugelt Sanjiv Bajaj selber damit, die Allianz komplett herauszukaufen und seine Beteiligung von derzeit 74 Prozent auf 100 Prozent aufzustocken. Bajaj Finserv ist aus dem Finanzierungsarm des Motorradherstellers Bajaj entstanden, im Jahr 2008 hat die Industriellen-Familie Bajaj das Motorrad-Geschäft und das Finanzgeschäft getrennt. Bajaj Finserv ist an der Börse fast ebenso viel Wert wie das Motor-Geschäft.
Der Ausgang der Verhandlungen ist offen, zitiert Mint Sanjiv Bajaj, Sohn des Chefs der gemeinsamen Familienholding, Rahul Bajaj. Sein anderer Sohn, Rajiv, ist für das Autogeschäft zuständig. Bajaj Allianz gehört zu den Top Ten der indischen Versicherungsunternehmen, sowohl in der Schadenversicherung als auch in der Lebensversicherung. Wegen des heftigen Preiskampfes am indischen Markt hat das Unternehmen zuletzt radikal zurückgezeichnet und dafür Gewinne gemacht. Die Allianz ist an der Vertriebsgesellschaft Bajaj Allianz Financial Distributors Limited in Pune mit 50 Prozent beteiligt. 2011 nahm sich die Familie Bajaj für den Aufbau des Internet-Vertriebs Berkshire Hathaway mit ins Boot. (ba)
Bajaj Allianz · Sanjiv Bajaj · Rahul Bajaj
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