Schlaglicht

EZB-Politik kann strukturelle Probleme nicht lösen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Zum heute erwarteten Urteil des Bundesverfassungsgerichts Kurt Karl, Chefvolkswirt der Swiss Re. Die EZB hat ein klares Mandat zur Aufrechterhaltung der Preisstabilität innerhalb der Eurozone. Langfristig ist dies im Interesse aller ökonomischen Akteure, inklusive der Versicherungswirtschaft. Zurzeit gehen die Ansichten allerdings weit auseinander, ob die Maßnahmen der EZB zielführend sind.
Unserer Ansicht nach sind die Probleme in der Eurozone weitgehend struktureller Natur. Die Geldpolitik erscheint daher schlecht geeignet, diese Probleme zu lösen. Die expansive Geldpolitik und Mario Draghis Versprechen vom Sommer 2012, "alles Nötige" zu unternehmen, um ein Auseinanderdriften der Eurozone zu verhindern, waren zum damaligen Zeitpunkt sehr wichtig.
Inzwischen muss man sich allerdings fragen, ob die Risiken der anhaltend expansiven Geldpolitik deren Nutzen nicht übersteigen. Die Krux ist, dass die Risiken nicht offensichtlich sind und sich möglicherweise erst mittel- bis langfristig materialisieren. Es besteht die Gefahr, dass die tiefen Zinsen Fehlallokationen bei den Investitionen begünstigen und der durch die EZB-Politik mitverursachte Anlagenotstand zur Blasenbildung in gewissen Anlagesegmenten führt. Die Versicherer sind als Investoren mit einem langfristigen Anlagehorizont auf eine angemessene Verzinsung angewiesen. Die möglicherweise schädlichste Nebenwirkung der Tiefzins-Droge besteht jedoch darin, dass sie den Druck auf die Regierungen verringert, die notwendigen Strukturreformen zügig anzugehen.
Das hält das Potenzialwachstum zurück und verhindert einen rascheren Rückgang der Arbeitslosigkeit. Es geht um reale Kosten, welche die EZB unserer Ansicht nach nicht ignorieren sollte. (siehe POLITICS)
Bild: Kurt Karl, Chefökonom der Swiss Re (Quelle: Swiss Re)
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