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Bei den Lebensversicherern geht es ans Eingemachte

Von Christoph BaltzerTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Nach Berechnungen von Assekurata geht es in diesem Jahr bei den Lebensversicherern an die Substanz. Einen Rekordwert von 14 bis 15 Mrd. Euro müssen die Lebensversicherer in die Zinszusatzreserve packen. Das dürfte den Rohüberschuss um drei bis vier Milliarden Euro überschreiten.
Die Belastungen der Lebensversicherer durch die Zinszusatzreserve sind viel größer als gedacht. Nach Berechnungen von S&P wird die Zinszusatzreserve bis zum Jahr 2021 auf 78 Mrd. Euro anwachsen. Doch das erscheint viel zu gering. Nach Berechnungen von Assekurata ist die Belastung doppelt so hoch. Die Zinszusatzreserve wird bis 2020 auf 150 Mrd. Euro anwachsen, berichtet die Rating-Agentur in einer jetzt veröffentlichten Studie (PDF). 2021 dürften es 175 Mrd. Euro sein. Im Jahr 2025 wäre die Zinszusatzreserve dann auf den gigantischen Betrag von 225 Mrd. Euro angewachsen.
Zum Vergleich: Das Eigenkapital der Lebensversicherer summiert sich auf 13,8 Mrd. Euro (Bafin 2014), die versicherungstechnischen Nettorückstellungen auf 788 Mrd. Euro. Bestätigt werden die Kölner von Analysten des Bankhauses Lampe. "Weil der Bedarf exponentiell steigt, dürfte der Gesamtbestand an stillen Reserven bis 2018 aufgebraucht sein“, zitiert die FAZ den Analysten Carsten Zielke. Derzeit sichern die Lebensversicherer die Garantien für Altverträge teilweise durch die Auflösung von stillen Reserven auf.
Ergo betrachtet inzwischen den ganz überwiegenden Teil des Lebensversicherungsgeschäfts als Abwicklungsfall, Arag-Chef Paul-Otto Faßbender denkt laut darüber nach, das Klassikgeschäft in einen externen Run-off zu schicken, Generali nimmt in Leben kein Maklergeschäft mehr an, klassische Lebensversicherungen verkauft der Konzern seit vergangenem Jahr nicht mehr.
"Eine gute Hand voll Unternehmen hat aufgrund ihrer Prognoserechnungen Schwierigkeiten, ohne zusätzliche Maßnahme die Zinszusatzreserve in den nächsten Jahren zu stemmen", sagte Bafin-Direktor Frank Grund in einem Interview mit der Versicherungswirtschaft. Auf schätzungsweise 10,8 Mrd. Euro summiert sich der Rohüberschuss der 90 Lebensversicherer im Jahr 2015, Tendenz sinkend, zu wenig, um die Zinszusatzreserve zu stemmen. Assekurata-Analyst Lars Heermann fordert, die Berechnungsmethodik für die Zinszusatzreserve zu überdenken. "Die Geschwindigkeit, mit der dieses Niveau erreicht wird, sollte gleichmäßiger und abgemildeter erfolgen." (ba)
Lebensversicherer
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