Politik & Regulierung

Prognos: Ohne Eigenvorsorge reicht es nicht

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Prognos AG hat im Auftrag des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in mehreren Szenarien untersucht, wie sich Rentenniveau und Beitragshöhe bis zum Jahr 2040 entwickeln könnten. Wie man auch rechnet, ein Fazit bleibt, ohne die zweite und dritte Säule der Altersvorsorge wird das Renteneinkommen nicht ausreichen. Auch das Analysehaus empfiehlt, das Renteneintrittsalter zu erhöhen und Rentenbeginn und Lebenserwartung miteinander zu verknüpfen.
GDV-Präsident Alexander Erdland sagte in Berlin, die Versicherungswirtschaft mache sich die Studienergebnisse nicht zu eigen. Die gesetzliche Rentenversicherung müsse aber auch langfristig über das Jahr 2030 hinaus gestärkt werden. "Wir brauchen Weitblick." Die Rahmenbedingungen in der Rentenpolitik müsse die Politik setzen. Klar sei, dass auch die betriebliche Altersversorgung (bAV) und die private Altersvorsorge gestärkt werden müssten. Er freue sich, dass Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) zu einem Renten-Dialog einladen werde. Der GDV hat wiederholt einen runden Tisch aller Beteiligten für die Rentenpolitik gefordert.
Wie der Leiter des Bereichs für volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Grundsatzfragen bei der Prognos AG, Oliver Ehrentraut, ausführte, stellen die untersuchten Szenarien bis zum Jahr 2040 vor allem auf den tatsächlichen Renteneintritt ab. Je später der Renteneintritt vorgenommen werde, desto besser für die Erwerbstätigenzahl, die Einnahmen der gesetzlichen Rentenversicherung, die Beitragshöhe und das Rentenniveau. Derzeit werde die Rente im Durchschnitt im Alter von 64,2 Jahren beansprucht.
Ohne Eingriffe würde das Renteneintrittsalter bis zum Jahr 2029 nur auf 65 Jahre anwachsen, obwohl dann die Regelaltersgrenze bei 67 Jahren liegen werde. "Da die Lebenserwartung in Zukunft weiter steigen wird, ist über das Jahr 2030 hinaus eine weitere Anhebung der Regelaltersgrenze systematisch geboten", sagte Ehrentraut. Damit könne der Beitragsanstieg und die Absenkung des Rentenniveaus gedämpft werden (siehe DOSSIER).
Auch Prognos stellte sich hinter Vorschläge, die Regelaltersgrenze an die wachsende Lebenserwartung im Verhältnis zwei Drittel längere Arbeit und zu einem Drittel längerer Rentenbezug zu knüpfen. Ehrentraut vermied von der Rente mit 70 zu sprechen. Auf die würde es aber auch nach den Prognos-Berechnungen hinauslaufen, wenn man diese bis etwa zum 2060 fortführen würde. Die Politik ist gefordert, frühzeitig vor dem Jahr 2030 Antworten zur künftigen Renten-Politik zu geben. Erdland zufolge ist die geplante Flexi-Rente ein richtiger Schritt, Menschen zu einem längeren Arbeitsleben zu bewegen.
Falsch wäre es allerdings, wenn die Flexi-Rente zu einem vorzeitigen Ausscheiden aus dem Arbeitsleben verleiten würde. Für den GDV-Präsidenten ist ebenfalls wichtig, dass die Erwerbsminderungsrente gestärkt wird. Erdland freut sich auf den Dialog mit Nahles und den Fachleuten des Ministeriums. Der GDV will dann seine Vorschläge zur Stärkung der zweiten und dritten Säule einbringen. (brs)
Bild: Oliver Ehrentraut, Leiter des Bereichs für volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Grundsatzfragen bei Prognos (Quelle: M. Brüss)
GDV · Rente · Prognos
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