Schlaglicht

"Der Ergo-Aktionär darbt"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Ergo wickelt ab: 1800 Jobs und Millionen Lebensversicherte. Für Hermann Weinmann steht fest, Ergo-Kunden werden darunter leiden. Allerdings habe Markus Rieß kein Image-Risiko mehr: "Die Wachstumsschwäche ist unübersehbar, die Kostensituation ist desaströs, und zu allem Überfluss wird mit dem Budapest-Prozess auch noch das Bordell-Image wiederbelebt", sagt der Professor an der Hochschule Ludwigshafen am Rhein dem Manager-Magazin.
Weinmann glaubt, die Überschussbeteiligung gemessen am aktuellen Ertrag sei zu hoch. In den letzten zwei Jahren zahlte die Ergo die Überschussbeteiligung der Kunden auch aus der Substanz. "Für 100 erwirtschaftete Euro wurden bei der Ergo Leben 150 Euro ausgekehrt. Bei der Ergo Leben verzichtet der Aktionär, also die Ergo Versicherungsgruppe, mittlerweile auf den erhaltenen Gewinn der Jahre 2014 und 2015 und reicht diesen wieder zurück in die Bilanz, um das Eigenkapital zu stärken. Von einer Entsorgung kann daher eigentlich keine Rede sein, sondern eher von einer 'Subventionierung' der Versicherten", erklärt Hermann Weinmann dem Manager-Magazin.
Gleichzeitig ist der Professor für Finanzdienstleistungen erleichtert, dass die Munich Re an ihrem Ergo-Engagement festhalte und die Ergo wiederum die Abwicklung des bestehenden Geschäfts in eigener Regie betreibe. Denn: "Heutzutage muss man ja damit rechnen, dass alles nach China verkauft wird." Für Weinmann ist es am wichtigsten, dass die Kapitalanlage nicht leide. "Wir reden über ein Volumen von 40 Mrd. Euro, das von der organisatorischen Trennung betroffen ist, und darin liegen beachtliche 20 Prozent Bewertungsreserven, das sind acht Mrd. Euro."
Dass dieser Run-off nicht der letzte in der Branche sein wird, davon ist er aufgrund der Niedrigziensphase überzeugt. Für Ergo kann das auch eine Chance sein, solange die abgetrennte Einheit "Leben Klassik" nicht weiter mit Kosten vollgepackt werde und sich die Abläufe in Zukunft deutlich effizienter gestalten. "Dann könnten wieder Kostenüberschüsse entstehen, die den Verträgen zugutekommen. Schließlich muss die abgetrennte Einheit auch kein überteuertes Neugeschäft mehr finanzieren, das Abschlusskostenverluste mit sich bringt", sagt Weinmann. (vwh/dg)
Bild: Hermann Weinmann ist Professor für Finanzdienstleistungen an der Hochschule Ludwigshafen am Rhein (Quelle: Hochschule Ludwigshafen am Rhein)
Ergo · Markus Rieß
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