Märkte & Vertrieb

Kfz-Versicherer müssen flexibler werden

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Deutsche Autoversicherer müssen ihre Angebote erweitern und sich zu Mobilitätsanbieter entwickeln. Auf dem aktuellen MCC-Kongress "Kfz-Versicherung 2016" suchten sie – teilweise verzweifelt – nach neuen Vertriebsideen. Vernetzte Technik könnte in Zukunft eine Krise in der Branche auslösen. Bedroht sehen sich die Kfz-Versicherer vor allem von Herstellern und Technologiekonzernen.
Hinsichtlich des autonomen Autos gab aber Stephan Schulz von der Munich Re erst einmal für die nahe Zukunft Entwarnung. "Die neue Technik wird erst in Premiumfahrzeugen Einzug halten", so Schulz. Daher werde es lange Zeit einen Mischbestand mit herkömmlichen und intelligenten Fahrzeugen auf der Straße geben. Gleichzeitig bedrohe vernetzte Fahrzeugtechnik den Kundenzugang der Versicherer.
IT-Unternehmen und Kfz-Hersteller würden derzeit antreten, um die Schnittstellen der Kundenkommunikation aus dem Auto zu besetzen. Ohne schnellen Wandel, droht den Kfz-Versicherern das Schicksal eines reinen Risikoträgers. So würden derzeit vor allem die Autohersteller immer erfolgreicher Autopolicen im Paket mit der Finanzierung verkaufen. Die Angebote seien teilweise hochgradig subventioniert.
"Statt einen Rabatt auf das Fahrzeug zu geben, wird die Versicherung preiswert mitverkauft", sagte Axel Bischof von der Württembergische Versicherung AG. Demnach würde die Autohaftpflicht und Vollkaskoversicherung von Autoherstellern beispielsweise für einen Dumpingpreis von 20 Euro pro Monat verkauft, obwohl sie tatsächlich, bei sauberer Kalkulation 120 Euro kosten müsste.
Hintergrund solcher Pakete sei die engere Kundenbindung an die Autobesitzer. Dabei würden die Kfz-Hersteller lediglich 20 Prozent des Umsatzes im After-Sales-Geschäft machen, aber dort 80 Prozent der Gewinne erzielen. Kernanliegen der Versicherungskooperation ist es, die Fahrzeuge nach einem Schaden in die eigene Werkstatt zu steuern. "Wir müssen mehr Service an unsere Versicherung anbündeln", forderte Bischof.
Als Bereich für Service der Autoversicherer nannte Bischof unter anderem Pannenhilfe, Kombination mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Carsharing oder Telematiktarife. Viel verspricht sich der Stratege vom neuen Unfallmeldedienst (UMD), der vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) getragen wird und seit April 2016 von den Versicherern angeboten werden kann. "Derzeit ist bereits eine mittlere fünfstellige Zahl von UMD-Stecker im Markt", sagte Christian Lubos, Leiter des Produkt- und Markenmanagement bei der GDV-Dienstleistungs-GmbH & Co. KG aus Hamburg. Rund 30 Kfz-Versicherer bieten ihren Kunden derzeit den UMD-Stecker bereits aktiv an.
Marco Morawetz, Leiter der Consulting General Reinsurance ist hinsichtlich der Kundenakzeptanz von UMD skeptisch. "Noch läuft der Absatz eher schleppend an, wie man aus dem Markt hört" so Morawetz. Bis die 500.000 von der Branche georderten UMD-Stecker abgesetzt sein würden, wäre es noch ein weiter Weg (siehe DOSSIER). (usk)
Bildquelle: Fotolia
Kfz-Versicherung
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