Schlaglicht

Diese Woche: Stürmische Tage für die Versicherer

Von Tobias DanielTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Von VWheute-Redakteur Tobias Daniel. Die Branche befindet sich dieser Tage in unruhigem Fahrwasser. Während die Lebensversicherer durch die anhaltenden Niedrigzinsen immer weiter unter Druck geraten, müssen sich die Kfz-Versicherer den aktuellen Herausforderungen der Digitalisierung stellen. Die Wohngebäudeversicherer setzen sich indes in den kommenden Tagen mit den Folgen der hiesigen Unwetter auseinander.
So geben derzeit immer mehr Lebensversicherer das Geschäft mit klassischen Leben-Policen angesichts der Dauer-Niedrigzinsen auf. Jüngstes Beispiel ist die Ergo: Nach dem Willen von Vorstandschef Markus Rieß will der Versicherer die rund sechs Millionen Verträge von Ergo Leben (ehemals Hamburg-Mannheimer) und Victoria Leben in einer separaten Einheit selbst abwickeln. Immerhin: Auch wenn deutlich mehr als ein Dutzend Lebensversicherer kein Neugeschäft mehr anbietet, wurden bislang nur vier Bestände an spezialisierte Abwickler verkauft.
Geht es nach Heinz-Peter Roß, Vorstandschef der Heidelberger Leben, könnte sich dies allerdings in den nächsten fünf Jahren ändern: "Das Interesse hat massiv zugenommen. Es werden mehr Bestände auf den Markt kommen, als wir nehmen könnten." Dennoch hätten viele Versicherer noch Angst, den Kontakt zum Kunden mit einem Verkauf zu kappen. "Das ist ein Reputationsthema", so Roß laut Nachrichtenagentur Reuters.
Dabei haben Lebenprodukte durchaus Zukunft, glaubt Oliver Lang vom Maklerpool BCA: "Intelligent gestalteten Lebensversicherungs-Produkten mit neuen Motoren, die sich von klassischen Konzepten lossagen, gehört die Zukunft, und sie werden inzwischen stark nachgefragt" (siehe KÖPFE). Auf dem diesjährigen MCC-Kongress in Bonn Mitte der Woche dürften diese Themen jedenfalls für intensive Diskussionen sorgen.
Bereits heute beschäftigen sich hingegen führende Versicherungsexperten mit den aktuellen Trends und Herausforderungen des Kfz-Versicherungsmarktes. Ein zentrales Thema nimmt dabei auch angesichts von Telematik und autonomen Fahrzeugen das Trendthema Digitalisierung ein. So hat der Automobilhersteller Volkswagen jüngst angekündigt, bis spätestens 2020 Fahrzeuge auf den Markt zu bringen, die vollautomatisch auf Autobahnen fahren sollen. Ein ambitionierter Plan, der allerdings nicht überraschend kommt, glaubt man einer Studie des Kölner IW (siehe SCHLAGZEILEN).
Die Assekurranz muss sich bei diesem Thema künftig jedoch klarer positionieren: "Und das heißt konkret: Wie nehmen wir die bestehenden Vertriebe – wo ich eine der Kernkompetenzen der Branche sehe – in die digitale Welt des Kunden mit?", hinterfragt Roland Voggenauer-Graf von Bothmer von der Swiss Re gegenüber VWheute (siehe DOSSIER).
Die Digitalisierung selbst beschäftigt zudem ab Mittwoch auch den zweitägigen Maklertag der Verbands Deutscher Versicherungs-Makler (VDVM). Im Fokus stehen dabei auch die möglichen Folgen der IDD-Umsetzung in nationales Recht. Für die Versicherungsvermittler ist von entscheidender Bedeutung, dass die Bundesregierung nicht die Option eines Provisionsverbots ziehen wird (siehe POLITICS).
Arbeitsreich werden die kommenden Tage schließlich für die Wohngebäudeversicherer. Denn die Folgen der schweren Unwetter der letzten Wochen waren immens - materiell wie finanziell. Allein die Folgen von Sturmtief "Elvira" beziffert der Branchenverband GDV auf rund eine halbe Milliarde Euro - zuzüglich einer Mrd. Euro Schaden durch die Wasserfluten im niederbayerischen Rottal-Inn (siehe MÄRKTE). Nicht beziffert sind hingegen bislang die Folgen des Blitzeinschlages auf dem Musikfestival "Rock am Ring" mit 80 Verletzten und dessen vorzeitigen Ende.
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Weitere Themen im Blick von VWheute:

Nach magerer Halbzeitbilanz hat die EU-Kommission vorgeschlagen, dass der Europäische Investitionsfonds (EFSI) über 2018 hinaus verlängert wird. Die Anfang Juni vorgelegte Jahresbilanz fiel ernüchternd aus. Am Mittwoch will das Europäische Parlament (EP) in einer Halbzeitüberprüfung den EFSI-Plan auf den Prüfstand stellen.
Die Stimmung auf dem Frankfurter Börsenparkett wird in dieser Woche vor allem durch politische Unsicherheiten und durch die Konjunktur bestimmt. Neben dem bevorstehenden Referendum in Großbritannien zum Verbleib in der EU schauen die Anleger auch mit besonderem Interesse auf den US-Leitzins.
Den aktuellen Herausforderungen muss sich die Assekuranz nach Einschätzung von Thierry Daucourt mit neuen, flexiblen Organisationsformen stellen. "Die Digitalisierung wird die Welt nicht retten. Was wir brauchen sind mehr Variabilität und Diversität", sagte der Vorstand der Axa Konzern AG.
Kfz-Versicherer · Lebensversicherer
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