Köpfe & Positionen

Vor der EM gehen verdächtig viele Fernseher zu Bruch

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Versicherer wissen, dass kurz vor sportlichen Großereignissen und nach Einführung neuer Produktgenerationen die Schadenmeldungen stets zunehmen. Denn: "Zur Finanzierung eines neuen Fernsehers wird manchmal ein Schaden am alten Gerät herbeigeführt, den es so nie gegeben hat", sagt Thomas Leicht, Vorstandsmitglied der Gothaer und Vorsitzender der Kommission Kriminalitätsbekämpfung beim GDV.
Jedes Jahr werden den deutschen Versicherern tausende Schäden an Fernsehgeräten gemeldet. Jeder vierte davon ist nicht plausibel. "In vielen Fällen passen Schadenschilderung und Schadenbild nicht zueinander. Der Schaden kann demzufolge nicht so passiert sein, wie er geschildert wurde", sagt Thomas Leicht, Mitglied des Vorstands der Gothaer Versicherungsbank VVaG und Vorstandsvorsitzender der Gothaer Allgemeine Versicherung AG.
Ausgewertet für die Untersuchung wurden knapp 1.800 Schäden an TV-Geräten, die bei den Versicherern eingereicht wurden. Bei 25 Prozent davon traten Ungereimtheiten auf; die durchschnittliche Forderung an die Versicherung betrug 745 Euro. Betroffen von diesem Betrugsphänomen ist vor allem die private Haftpflichtversicherung. Ein Freund oder Bekannter behauptet dann, er habe den Schaden verursacht. Oder ein Schaden wird als Blitz- oder Überspannungsschaden der eigenen Hausratversicherung gemeldet.
"Vor Welt- und Europameisterschaften schnellt die Quote von Schadensmeldungen bei Fernsehern tatsächlich immer in die Höhe", erklärt auch Ralph Schweda, Chef eines Sachverständigenbüros bei Bonn. Er wirkt für den TV-Sender RTL in der Doku-Reihe Die Versicherungsdetektive mit. Würden Versicherungsnehmer defekte TV-Geräte melden, werde laut Schweda in 60 bis 70 Prozent ein versuchter Betrug vermutet.
Von einem Versicherungsbetrug sollte jedoch Abstand genommen werden. Denn Risse, Brüche und andere kontrolliert verursachte Schäden werden von erfahrenen Sachverständigen geprüft und können durch deren jahrelange Erfahrung meist schnell als Betrug erkannt werden. Die meisten Täter unterschätzen zudem die möglichen Folgen. Es drohen nicht nur der Verlust des Versicherungsschutzes und zivilrechtliche Konsequenzen. Auch im Strafrecht wird der Betrug sanktioniert – in besonders schweren Fällen mit Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren. (vwh/dg)
Bild: Thomas Leicht, Mitglied des Vorstands der Gothaer Versicherungsbank VVaG und Vorstandsvorsitzender der Gothaer Allgemeine Versicherung AG (Quelle: Gothaer)
Versicherungsbetrug · Thomas Leicht · Ralph Schweda
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