Schlaglicht

Achtung Versicherer schaut zu

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Dass die Offenherzigkeit, mit der viele Menschen persönliche Dinge in den sozialen Netzwerken posten, ihnen zum Verhängnis werden kann, ist hinlänglich bekannt. Ein Däne bekam jetzt seine BU-Zahlungen gestrichen, weil er Fotos, auf denen er zu gesund aussah, postete. Den Fall nimmt die Süddeutsche in ihrer heutigen Ausgabe zum Anlass, die gezielte Datenanalyse von Versicherern unter die Lupe zu nehmen.
In Deutschland ist die gezielte Datenanalyse noch nicht besonders weit verbreitet. Dass Leistungsprüfer von Versicherern systematisch Kunden googlen, sei die Ausnahme, so Anwalt Michael Ernst, der sich bei der Kölner Kanzlei Bach Langheid Dallmayr unter anderem mit Lebens-, Berufsunfähigkeits- und Unfallversicherungen sowie Betrugsabwehr beschäftigt. Grundsätzlich sei es den Unternehmen erlaubt, im Netz Auskünfte über Versicherte zu sammeln, die ihnen beispielsweise einen Schaden gemeldet haben – zumindest, wenn der Kunde die Informationen einem uneingeschränkten Nutzerkreis zur Verfügung stellt.
Im Ausland sind die Versicherer hier einen Schritt weiter, wie die SZ berichtet. Hier nutzen Versicherer schon häufig soziale Medien, um die Angaben von Kunden kritisch zu prüfen oder passgenauere Angebote machen zu können. In den USA förderte etwa die Staatsanwaltschaft nach Auswertung von Facebook-Statusmeldungen etliche Fälle von berufsunfähigen Polizisten und Feuerwehrmännern zutage, die von Hubschrauberflügen, Auslandsreisen und Martial-Arts-Trainings berichteten.
Die französische Axa schult ihre Vermittler sogar speziell darin, sich mit Facebook-Nutzern zu befreunden. „Dem Verbraucher muss allerdings klar sein, dass es sich um einen Versicherungsvermittler handelt, dessen Freundschaftsanfrage er gerade bestätigt“, sagt Sprecher Jean-Baptiste Mounier. Hat der Vermittler Zugriff auf die persönliche Timeline, erfährt er möglicherweise, dass der neue Freund gerade ein Haus gekauft oder ein Kind bekommen hat. „Dementsprechend kann er Versicherungsangebote machen“, sagt er. Diese Praxis betreibt Axa nicht nur in Frankreich. Auch deutsche Axa-Vertreter erhalten Schulungen zum richtigen Auftritt bei Facebook, berichtet Mounier. (vwh/jko)
Bildquelle: Fotolia
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