Märkte & Vertrieb

Keiner will Osteuropäern die Rechnungen bezahlen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Für die osteuropäische Wirtschaft wird in diesem Jahr ein Wachstum von 1,1 Prozent erwartet. Allerdings zeigt ein Blick auf die Insolvenzlage ein unbeständiges Bild durch zunehmenden Zahlungsverzug bei Export-Rechnungen, was sich wiederum negativ auf den Cash-Flow der osteuropäischen Firmen auswirkt, stellt der Kreditversicherer Atradius fest. Die Türkei muss am längsten auf offene ausländischen Forderungen warten. 
Türkei, Polen und Tschechische Republik leiden unter schlechter Zahlungsmoral. Das aktuelle Zahlungsmoralbarometer von Atradius belegt, dass in Osteuropa mehr Unternehmen besorgt auf ihren Cash-Flow schauen als in Westeuropa (rund 20% in Osteuropa, 16 % in Westeuropa). Diese Besorgnis basiert wahrscheinlich auf einem höheren Handelskreditrisiko durch verspätetet bezahlte Forderungen ihrer ausländischen Business-to-Business-Kunden (B2B), denn die durchschnittlich am Fälligkeitstag noch offenen ausländischen Forderungen stiegen um 19 Prozent auf 40,8 Prozent im Vergleich zu 34,2 Prozent im Vorjahr. 45 Prozent der inländischen Forderungssumme blieben auch nach dem Fälligkeitstermin unbezahlt. Dies ist ein Anstieg von neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Der durchschnittliche Gesamtwert der ausländischen Rechnungen, die 90 Tage nach Fälligkeitstermin noch offen waren, liegt in Polen mit 29,8 Prozent über dem osteuropäischen Durchschnitt von 20 Prozent. Dicht gefolgt von der Türkei mit 26,4 Prozent und der Tschechischen Republik mit 22,3 Prozent. Ein längerer Zahlungsverzug kann das Risiko von Zahlungsausfällen erhöhen und sich damit negativ auf den Cash-Flow auswirken. Dies könnte erklären, warum 20 Prozent der osteuropäischen Unternehmen erwarten, dass sich die DSO in den nächsten zwölf Monaten weiter verschlechtern wird. In der Türkei gehen sogar 33 Prozent und in Polen 27 Prozent von einer Verschlechterung aus.
Andreas Tesch, Chief Market Officer von Atradius, erklärt: "In den fortschrittlichen Wirtschaftsnationen bleibt die Insolvenzlage laut Prognose stabil, während für die meisten Schwellenmärkte ein Anstieg erwartet wird. Nur mit einem sorgfältigen Forderungsmanagement, bestehend aus einer Kreditversicherung, lassen sich so Zahlungsverzugsrisiken minimieren, um die Rentabilität des Unternehmens zu sichern."
Der Anstieg bei ausländischen Handelskreditrisiken in Osteuropa führte zu einem "Knock-out-Effekt" in der Lieferkette. Rund 30 Prozent der Unternehmen in der von Atradius befragten Region (25 % in Westeuropa) bezahlten ihre eigenen Lieferanten später aufgrund von verzögerten Zahlungen ihrer ausländischen Kunden. Elf Prozent der Befragten (7,6 % in Westeuropa) gaben an, dass der Zahlungsverzug von B2B-Kunden ihr Wachstum behindere. (vwh/dg)
Bild: birgitH /pixelio.de
Zahlungsmoral
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