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Brasilien ist Insolvenz-Weltmeister

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Brasilien sorgt derzeit nicht nur sportlich für Schlagzeilen. Auch politisch und gesellschaftlich durchlebt die Samba-Nation in Südamerika derzeit äußerst turbulente Zeiten - mit weitreichenden Folgen für die Ökonomie des Landes. So hält Brasilien derzeit einen traurigen Negativrekord: mit einem Plus von 22 Prozent verzeichnet das Land den weltweit größten Zuwachs bei den Insolvenzen, konstatiert der Kreditversicherer Euler Hermes.
Bereits in 2015 verzeichnete die südamerikanische Wirtschaftsnation einen Anstieg der Insolvenzen um 25 Prozent. Damit lag die Samba-Nation noch vor China, welches mit einem Insolvenzanstieg um 20 Prozent ebenfalls einen Negativrekord verzeichnet. Hinzu kommt laut Euler Hermes auch der Umstand, dass Brasilien nicht nur mit der aktuellen politischen Situation und der Rezession zu kämpfen hat. Auch das abgeschwächte Wachstum des wichtigsten Handelspartners China macht dem südamerikanischen Land zusätzlich zu schaffen.
"Brasilien schwankt zwischen Abgrund und Hoffnung", betont Ludovic Subran, Chefvolkswirt der Euler Hermes Gruppe. "Eigentlich hat das Land derzeit schon genug 'Drama' und bräuchte nicht noch mehr davon. Die vier 'Is' machen dem Land zu schaffen: ein Flaschenhals bei der Infrastruktur, fehlende Investitionen, eine hohe Inflation und viele Insolvenzen", erläutert der Experte.
Besonders alarmierend ist nach Ansicht des Kreditversicherers zudem der Trend bei den großen Unternehmen. So habe sich die Zahl der Pleiten in den letzten zwölf Monaten bis März 2016 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 154 auf 296 Fälle (+92 Prozent) nahezu verdoppelt. Bei den kleineren Unternehmen liege der Zuwachs im gleichen Zeitraum mit rund 32 Prozent deutlich niedriger.
"Für Unternehmen wird der Zugang zu Krediten immer schwieriger und teurer – der durchschnittliche Zinssatz liegt inzwischen bei mehr als 20 Prozent", ergänzt Subran. "Die hohen Steuern und die bürokratischen Hürden untergraben die Wettbewerbsfähigkeit der dortigen Unternehmen zusätzlich zu den sowieso hohen Produktionskosten und dem herrschenden Fachkräftemangel in vielen Bereichen. Die Produktion fiel zuletzt um 13 Prozent und die Auslastung liegt weit unter dem Langzeitdurchschnitt. Zusammen mit der Korruption, sozialen und politischen Unruhen sowie einer großen Kluft zwischen Arm und Reich tragen diese Aspekte zum ungünstigen Cocktail bei, der das Land zuletzt in eine schwere Rezession geführt hat", betont der Chefvolkswirt von Euler Hermes.
Das größte Risiko für die Zukunft Brasiliens bleibe jedoch die politische Unsicherheit - gepaart mit den sozialen Unruhen. "Eine lang anhaltende politische Hängepartie wäre allerdings Gift für die dortige Wirtschaft", sagte Subran: "Die Inflation, die Abwertung des Real und die hohe Arbeitslosigkeit sind zudem beunruhigende Zeichen für die Kaufkraft, vor allem, weil wir weitere Einschnitte bei den Finanzausgaben erwarten, zum Beispiel bei Subventionen. Dieser Sparkurs könnte eine weitere Welle der Unzufriedenheit auslösen, zumal Brasilien als Gastgeber der Olympischen Spiele in Rio besonders im Fokus der Welt stehen wird". (vwh/td)
Bild: Zuckerhut in Rio de Janeiro (Quelle: Christopher Zapf / pixelio.de)
Brasilien · Euler Hermes · Kreditversicherer
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