Köpfe & Positionen

Transportversicherer unterschätzen Cyberrisiken

Von Rafael KurzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Ob Klimawandel, Terror oder die aktuellen Krisenherde rund um den Globus - die internationalen Lieferketten "sind heute enormen Bedrohungen ausgesetzt, konstatiert Michael Busch, Transportvorstand der Kravag im Exklusiv-Interview mit VWheute. Häufig unterschätzt werden hingegen "die Gefahren der Cyber-Kriminalität", so Busch. Schon heute seien Transportunternehmen "im Visier von Hackern".
VWheute: Welches sind in der näheren und mittleren Zukunft die größten Themen und Risiken in der Transportversicherung?
Michael Busch: Klimawandel, Terror und Krisenherde oder Cyber-Kriminalität: Globale und nationale Lieferketten sind heute enormen Bedrohungen ausgesetzt. Die Gefahren von terroristischen Angriffen erfordern umfassende zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen. Flüchtlinge, die verzweifelt versuchen, auf Schiffen oder Lkw nach Europa zu kommen, stellen das Transportgewebe vor ganz neue Herausforderungen.
Häufig unterschätzt werden nach meiner Meinung die Gefahren der Cyber-Kriminalität: Schon heute sind auch Reedereien oder Logistik-Unternehmen im Visier von Hackern, die enorme Schäden durch den Diebstahl, die Zerstörung oder die Manipulation von Daten anrichten können. Wenn Kriminelle wissen, wann an welchem Ort wertvolle Waren lagern und die Routen von Schiffen und Lkw minutiös verfolgen können, bekommen Diebstähle eine ganze neue Dimension. Auch die Wertekonzentration und damit die Schadenpotenziale nehmen stetig zu: Allein die Ladung eines Containerriesen kann bis zu 900 Mio. Euro wert sein, ganz zu schweigen von einem ein Großschaden an einem Containerterminal.
Unkalkulierbar sind auch die Risiken durch Naturkatastrophen. Die Zahl schwerer Stürme, Überschwemmungen oder Erdbeben steigt, ebenso wie die Höhe der dadurch verursachten Schäden. Und leider ist auch hier keine Entspannung in Sicht: Glaubt man den Klimaforschern, so stehen wir bei diesem Thema sogar erst am Anfang einer bedrohlichen Entwicklung.
VWheute: Welche neuen Risiken müssen Sie hier in Betracht ziehen? Was wird es in Zukunft zu versichern geben und was nicht (mehr)?
Michael Busch: Das ist nicht neu: Risiken sind seit jeher stetigen Veränderungen ausgesetzt, da es gilt, für die Versicherer "am Ball" zu bleiben. Ein Beispiel: Der Container hat den multimodalen Transport revolutioniert und dafür gesorgt, dass Waren schneller und sicherer transportiert werden können. Gleichzeitig entstanden aber auch neue Risiken und Gefahren, für die die Unternehmer Versicherungsschutz brauchen.
Die Versicherungsbranche leistet heute einen unschätzbaren Beitrag für die Globalisierung, weil sie die Risiken des Welthandels kalkulierbar macht. Und das wird auch so bleiben, wenn sich Transport und Logistik im Zuge der fortschreitenden Globalisierung und der sogenannten vierten industriellen Revolution weiter verändern.
VWheute: Welche neuen Produkte und Deckungskonzepte erarbeiten Sie vor diesem Hintergrund? Welche Prognose haben Sie hier allgemein für die Kravag?
Michael Busch: In unser "Forschungslabor" lassen wir uns natürlich nicht reinblicken. Aber eines ist sicher: Ein kompetenter Spezialversicherer, der nah am Puls des Transportgewerbes ist und die vielfältigen Risiken der Unternehmen kennt, wird mehr denn je gebraucht. Ein intensiver Austausch mit den Branchenverbänden und Unternehmern stellt sicher, dass Kravag Veränderungen und sich daraus ergebende neue Herausforderungen schnell erkennt und wir unseren Kunden so jederzeit moderne und bedarfsgerechte Versicherungslösungen bieten können.
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.
Bild: Michael Busch ist Vorstand der Kravag-Logistic Versicherungs-AG für das Ressort Transport (Quelle: Kravag)
Transportversicherung · Kravag
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