Schlaglicht

Staatliche Anreize für mehr Pflegepolicen

Von Rafael KurzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Rainer Reitzler, Vorstandschef des Münchener Vereins, bringt finanzielle Anreize seitens der Politik ins Spiel für ein deutliches Plus in der Pflegezusatzversicherung. "In jedem Beratungstermin sollte die Pflegezusatzversicherung ein Thema sein", erklärt er im Interview mit VWheute zum internationalen Tag der Pflege. Den geplanten Änderungen steht er zudem positiv gegenüber - getreu nach dem Motto: "Es kann nie genug sein".
VWheute: Welches sind die Hauptnachfragegründe nach Pflegezusatztarifen?
Rainer Reitzler: Wir betreiben beim Thema Pflege sehr viel Aufklärung bei unseren Kunden und auch in der Qualifikation und Unterstützung unserer Außendienst- und Vertriebspartner. Eine Pflegezusatzversicherung sollte in jedem Beratungsgespräch ein Thema sein. Mit den richtigen Argumenten, konkreten Fallbeispielen und unserem Bausteinsystem treffen wir den Nerv unserer Gesprächspartner. Der Bedarf für eine Pflegezusatzversicherung ist den meisten klar, aber erst mit Flexibilität können wir überzeugen und entsprechende Abschlüsse platzieren.
In der täglichen Beratung beraten wir Kunden, die in einem belastbaren familiären Umfeld leben und damit ihren Schwerpunkt auf die Absicherung einer vollstationären Pflege legen können. Für andere Kunden ist wiederum bereits ab einer ambulanten Pflege in Stufe 1 eine finanzielle Absicherung unverzichtbar. Wir können mit unserem Angebot für jeden Kundenbedarf das richtige Paket anbieten und darin sehe ich einen der Hauptnachfragegründe.
VWheute: Welches Wo sehen Sie auch nach der aktuellen Reform noch politische Baustellen?
Rainer Reitzler: Nach dem Motto "es kann nie genug sein" begrüße ich die Verbesserungen der nächsten Pflegereform sehr. Der Gesetzgeber geht hier in die richtige Richtung und das verdient eine gewisse Anerkennung. Auch die private Versicherungswirtschaft hat im Bereich Pflege eine ganze Menge getan. Neben leistungsstarken Produkten übernimmt sie einen erheblichen Anteil der Aufklärungs- und Informationsarbeit. Dennoch wird die Pflegepflichtversicherung wie auch die gesetzliche Renten- oder die gesetzliche Krankenversicherung nie eine vollständige Absicherung bieten können.
Wir werden auch weitere Reformen erleben und auch danach wird der gesetzliche Schutz nicht ausreichen. Deshalb könnte ich mir gut vorstellen, dass aus der Politik stärkere finanzielle Anreize für eine private Absicherung, sei es auf steuerlicher Seite oder durch Zuschüsse des Gesetzgebers, noch mehr Menschen für das Thema Pflege sensibilisieren und zum Abschluss privater Vorsorgeprodukte bewegen könnten. Natürlich werden wir beim Münchener Verein sowohl auf Produktseite wie auch bei Service- und Assistanceleistungen und durch einfache und leicht verständliche Beratungs- und Abschlussprozesse unseren Teil dazu beitragen, dass ein leistungsstarker privater Pflegeschutz in möglichst naher Zukunft genauso selbstverständlich sein kann, wie eine Privathaftpflichtversicherung.
VWheute: Wie hat sich Ihre Deutsche Privat Pflege etabliert? Wo erwarten Sie weitere Impulse?
Rainer Reitzler: Die Deutsche Privat Pflege ist seit Einführung im Jahr 2010 unser produktionsstärkstes Produkt. Dies gilt für unsere drei Vertriebswege Makler-, Exklusiv- und Direktvertrieb, wobei der Maklervertrieb seit Beginn den höchsten Produktionsanteil organisiert. Mit unserer strategischen Ausrichtung auf Krankenzusatzprodukte haben wir die richtige Entscheidung getroffen, denn auch unsere anderen Zusatztarife wie z.B. die Deutsche Zahnversicherung oder auch die erst vor wenigen Monaten eingeführte Deutsche Demenz- oder die Deutsche Krebs Versicherung laufen sehr gut.
Neue Impulse wird die zweite Stufe der Pflegereform mit den entsprechenden Produkt-Innovationen zu Beginn des nächsten Jahres bringen. Ich sehe in der Pflegepflichtversicherung nur geringe Verbesserungen, denn sie deckt weiterhin nur einen Teil der Pflegekosten. Eine private Pflegeabsicherung bleibt unverzichtbar.
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.
Bild: Rainer Reitzler, Vorstandsvorsitzender der Münchener Verein Versicherungsgruppe. (Quelle: Münchener)
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