Schlaglicht

"Viele theoretisch denkbare Strategien scheiden aus"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Von Peter Brodehser, Head of Infrastruture Debt, Talanx Asset Management. Private Wirtschaftspartner haben bewiesen, dass sie eine Umsetzung von Großprojekten kosteneffizienter und wirtschaftlicher durchführen können als die öffentliche Hand. Die private Wirtschaft kann aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung die Bau- und Betriebsrisiken eines Projektes schlichtweg besser einschätzen. Hiervon kann der Staat profitieren.
Angesichts der niedrigen Zinsen und der regulatorischen Anforderungen scheiden für Versicherer viele theoretisch denkbare Anlagestrategien aus. Folgende Konzepte lassen sich verfolgen, deren Nachteile begrenzt sind und/oder deren Risiken mitigiert werden können:
  • Steigerung der durchschnittlichen Duration
  • Erhöhung des Anteils der illiquiden und komplexen Assets, bspw. Infrastruktur
  • Investition in Real Assets (Sachwerte), deren Erträge keine vollständige Korrelation zu dem derzeitigen Zinsniveau aufweisen
Die Risiken bei Infrastrukturinvestments beschränken sich für den Versicherer primär auf das Baurisiko und das Risiko, dass man sich in Bezug auf die Unterhaltungs- und Wartungskosten geirrt hat. Daher legen wir bei unseren Investitionen einen sehr großen Schwerpunkt auf die Auswahl der Parteien, mit welchen wir gemeinsam in ein Projekt investieren.
Neben dem reinen Rendite-Risiko-Profil schätzen wir diese Projekte zudem noch aus diversen weiteren Gründen:
  • Standardisiertes Vertragswerk für die Projekt- und Finanzierungsverträge
  • Meist sehr erfahrene und professionell operierende Projektbeteiligte
  • Die Projekte sind meist politisch gewollt und erfahren einen sehr hohen Grad an „politischer Unterstützung“
Eigenkapitalinvestments sind bearbeitungsintensiver und risikoreicher. Man wird aber auch mit einer höheren Rendite belohnt.
Bei der Bewertung der jeweiligen Jurisdiktion indes stehen diverse Fragen im Raum, bspw. „Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich Bewertungsannahmen durch den (nachträglichen) Eingriff des Staates ändern? Werden Investoren in einem solchen Fall geschützt? Wie zuverlässig hat der jeweilige Staat die Interessen der Investoren in der Vergangenheit geschützt? Etc.“
Wir haben derzeit eine recht interessante Deal-Pipeline von  30 bis 40 Projekten in Deutschland und dem europäischen Ausland, die wir uns in den kommenden Monaten anschauen werden. Die Projekte sind sehr gut diversifiziert in Bezug auf Land, Sektor, Laufzeit oder Finanzierungsinstrument.
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